20.06.2001 © Appenzeller Volksfreund

 

Johann Manser – 25 Jahre Vorsteher an der Sekundarschule Appenzell

Noch nicht ganz 50 Jahre alt ist die Sekundarschule Appenzell, und davon volle 25 Jahre wirkte Sekundarlehrer Johann Manser als Vorsteher – und prägte damit das Bild der Schule eindrücklich.

Joe Manser

Schulzusammenführung

Im Jahre 1976, als es die Sekundarschule als Einheit wie heute noch nicht gab, löste Johann Manser seinen Amtsvorgänger Theo Gabriel ab, welcher seit der Gründung im Jahre 1955 Vorsteher, d.h. einer der Vorsteher gewesen war. Damals gab es nämlich die Knabensekundarschule (mit weltlichen Lehrkräften) und die Mädchenrealschule (Lehrschwestern und weltliche Lehrkräfte). Und eben für die Mädchenreal gab es bis 1976 eine weitere Vorsteherin, natürlich aus den Reihen der Ordensschwestern. Die Schule war damals weit verzettelt: Nebst Schulzimmern im Schulhaus Engelgasse und Hofwiese gab es noch die Pavillons, welche als Provisorien – man sprach damals für 10 bis 15 Jahre – gebaut wurden. Und in all diesen Schulhäusern gab es Lehrerzimmer, viele Individualisten und nicht nur einen Strick, an dem man gemeinsam zog. Johann Manser sah sich der grossen Aufgabe gegenüber gestellt, als neuer Vorsteher gewisse Aufgaben zu zentralisieren, die Lehrer derselben Schule zu einem gemeinsamen "Lehrkörper" zusammenzuführen – heute würde man modern von Teamentwicklung sprechen.

Schulentwicklung

Für die Bedürfnisse der Sekundarschule wurde in der Folge das Schulhaus Engelgasse hergerichtet, in einer späteren Phase kam dann der Ausbau der Hofwiese 1 dazu, ein Schulhaus, das man von der Primarschule geerbt hatte; schliesslich wurde in den Neunziger-Jahren noch die Hofwiese 2 renoviert und erweitert. All diese Bauphasen – und damit eine Zusammenführung der Sekundarschule Appenzell – fielen in die Vorsteherzeit von Johann Manser. Das tönt im ersten Moment nach nicht viel, doch es verlangte hunderte von Stunden an Denk- und Planungsarbeit, und die Zeit, welche ihm als Vorsteher zugebilligt wurde, war stets knapp bemessen. Zum Wohle der Schule hat Johann Manser aber meist gerne, oft und viele Überstunden geleistet. Ganz ähnlich wie schon seinem Amtsvorgänger Theo Gabriel war die Sekundarschule Appenzell zu "seiner" Schule und zu seinem Anliegen geworden. Für eine gute Schule und deren Anerkennung bei Behörden, Eltern, Schülern und in der Bevölkerung setzte er sich tatkräftig und mit einem Einsatz von weit über 100% ein. Wohlverstanden: nicht nur als Vorsteher, er war überdies auch noch Lehrer an der Sek!

Kleinkram und Bürokrieg nebst Planungsaufgaben

Ein Pflichtenheft umschreibt in der Regel alle Arbeiten und Aufträge der Angestellten. So exisitert auch dasjenige für den Vorsteher. All die Arbeiten, welche in den Bereichen von Schulführung, Planung und Administration anfallen, erledigte Johann Manser speditiv, umsichtig und gewandt. Für optimale Arbeitstechnik sorgte seine stenografische Schnelligkeit, später der rasante Umgang am PC. Und so war der Schulrat bald der Ansicht, die Entlastungszeit als Vorsteher dürfe, ja müsse gekürzt werden, schliesslich nehme ja jetzt der PC viele Arbeiten ab!

Johann Manser ist ein Denker und Planer. Alles muss in bestimmten Abläufen geregelt sein: Stundenplan; Pausenaufsicht, die Warteschlange beim Bürli-Beck, Ausfallstunden und entsprechende Schülerbeschäftigung, Schülerstrafen für Missachtung der Hausordnung, usw. Ja, beliebt macht man sich mit solch ausgeprägtem Ordnungssinn und Detailplanung nicht unbedingt bei allen Schülern; aber diese Ordnung wurde eben doch irgenwie zum Markenzeichen "seiner" Schule. Johann Manser hatte stets die Übersicht über die Sekundarschule; er kannte auch in jedem Schuljahr die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler beim Namen. Er hatte Visionen und konnte diese mit Hilfe des Lehrerteams und des Schulrates sogar meistens in die Tat umsetzen.

Dank der Kolleginnen und Kollegen

Es wäre unvollständig und ungenügend abgetan, wenn man nur all die Tätigkeiten aufzählen würde, welche Johann Manser gemäss Vorsteher-Pflichtenheft in den vergangenen Jahren erfüllte. Er tat dies selbstverständlich, im Sinne und zum Wohle der Schule und mit sehr viel Idealismus. Aber er tat eben noch viel mehr: Sachen, die man auf den ersten Blick nicht sieht, kaum beachtet oder eben auch für selbstverständlich annimmt. In manchen unangenehmen Situationen ist Johann Manser für unsere Schule hingestanden, bot ein Schutzschild für Schulbetrieb und Lehrerteam und hat wohl dadurch eine sehr dicke Haut bekommen! Und wie oft hat sich doch der Vorsteher mit Problemen von und mit Schülern/Schülerinnen herumgeschlagen, um damit die Klassenlehrer zu entlasten oder ihnen Unterstützung zu geben. Und wieviele Lücken hat er geschlossen, wenn Lehrer kurz- oder längerfristig ausfielen: sofort wurden Spezialstundenpläne ausgearbeitet – stets zum Wohle der Schüler und Lehrer. Ein reibungsloser Betrieb war sein grosses Anliegen, eine Schule, die stets funktionierte, auch wenn scheinbar alles drunter und drüber ging. Und solche Phasen gab es etliche durchzustehen. Johann Manser war und blieb stets ein Optimist und sah zuversichtlich in die Zukunft der Schule.

Und anzumerken wäre auch noch, dass es nicht immer einfach ist, auch ein gut funktionierendes Lehrerteam ordentlich zusammenzuhalten: Lehrer sind Individualisten, und es braucht so etwas wie eine unsichtbare Hand, die alle am gleichen Strick ziehen liess. Johann Manser tat dies im Sinne einer Dienstleistung gegenüber allen Mitkollegen; als Vorsteher war er irgendwie der Puls der Sekundarschule. Manchmal ein hochtouriger Puls, den es aber oft brauchte, um Schule, Schüler und Lehrerteam im Schuss zu halten und gegenüber der Öffentlichkeit ins richtige Licht zu stellen. Als Vorsteher verstand sich Johann Manser nie als einer, der den anderen Lehrern übergeordnet wäre, sondern als gleichgestellter Kollege mit der Zusatzaufgabe, ihnen Dienstleistungen zu bieten, Unterstützung zu geben, das Lehrersein zu vereinfachen, Lösungsvorschläge anzubieten und gute Kontakte herzustellen zwischen Behörden, der Öffentlichkeit und dem Lehrerteam. Das hat er wahrlich verstanden und damit im besten Sinne Öffentlichkeitsarbeit für unsere Sekundarschule betrieben.

Und da wäre auch noch Johann Manser, der Reiseleiter: Mehrmals hat er spezielle Teamkontakte ermöglicht, indem er für die Sekundarlehrerschaft mehrtägige Reisen organisierte. Da blühte er jeweils richtig auf, wenn er die Mitkollegen an seinem gewaltigen Bahn-, Reise- und Kulturwissen teilhaben lassen konnte.
Es ist zu hoffen, dass nun mit seiner Amtsübergabe ruhigere Zeiten auf Johann Manser zukommen und er seine Kräfte schön ordentlich, ruhig pulsierend und etwas gemächlicher in Schulunterricht und Freizeit einsetzen kann und will. Mit diesem Wunsch verbindet sich der herzliche Dank der Kolleginnen und Kollegen für 25 Jahre Vorsteher-"Dienst", für seinen überragenden Einsatz und Idealismus.

Ein Dreierteam übernimmt ab dem neuen Schuljahr die Vorsteheraufgaben. Ob diese wohl auch wieder 25 Jahre ausharren werden?


16.06.2001 © Appenzeller Volksfreund

 

Sek Appenzell siegte am CS-Cup-Final

Die Schülerinnen der Sek Appenzell sind am Mittwoch in Bern Meisterinnen im Schülerfussball geworden.

In Bern fand am Mittwoch der Finaltag des "Credit-Suisse-Cup" der Schweizerischen Schülerfussmeisterschaft, statt. Schülerinnen und Schüler aus allen Kantonen der Schweiz, von der 5. bis 9. Klasse sowie Teams der Mittelschulen ermittelten in acht Kategorien die Meister des Jahres 2001.
Die Sekundarschülerinnen aus Appenzell unter Sportlehrer Heinz Bigler belegten den ersten Rang in ihrer Qualitfikations-Gruppe und spielten im Halbfinal gegen Wängi. Der 1:0-Sieg über die Thurgauerinnen brachte Appenzell die Finalteilnahme. Im Stadion Neufeld trafen die Innerrhoderinnen am Nachmittag auf den anderen Halbfinalsieger, Romont, aus dem Kanton Freiburg. Nach der regulären Spielzeit stand es 0:0 - ein Penalty-Schiessen musste die Entscheidung herbeiführen. Nach dem achten Penalty konnten die Appenzellerinnen jubeln und den Siegerpokal sowie die Medaillen entgegennehmen.


01.02.2001 © Appenzeller Tagblatt

 

«Die Berufswahl ist ein Prozess»

Berufswahlkunde an der Sekundarschule Appenzell: Forum «Beruf und Wirtschaft»

Toni Dörig

Die Sekundarschule Appenzell geht neue Wege beim Berufswahlunterricht: Am Dienstag wurde das Forum «Beruf und Wirtschaft» durchgeführt. Tagsüber waren die Schulkinder an der Reihe, am Abend wurden die Eltern informiert. Das Ziel: Die Berufswahl in einer komplexer gewordenen Arbeitswelt als dynamischen Prozess zu verstehen.

«Das wichtigste ist das Interesse», erklärte Gewerbepräsident Emil Koller am Abend in der Gringel-Aula vor den Eltern. «Wenn ein Jugendlicher Freude am Beruf hat, dann ist auch ein sogenannt schlechter Schüler durchaus in der Lage Spitzenleistungen zu erbringen.» Ohne Zweifel, aber wie kommt ein Schulkind zu einem Beruf, das seinen Eignungen und Neigungen entspricht? Gefordert sind die Schulkinder selber, gefordert sind aber vor allem auch die Eltern und die Schule. Und welche Rolle spielt die Wirtschaft? Bietet sie überhaupt genügend Lehrstellen? Und was fordert sie von den Berufseinsteigern?

Schwieriger geworden

Berufswahlunterricht wird an der Sekundarschule in Appenzell als ein Schwerpunkt der Fächer «Lebenskunde» und «Deutsch» angeboten. Intensiv für diese Frage beansprucht werden die letzten beiden Schuljahre. Die Lehrer haben nun in diesem Bereich einen neuen Weg beschritten, nicht zuletzt, weil es für die Schulabgänger einfach schwieriger geworden ist, in die Arbeitswelt einzusteigen. Sie haben mit den Zweitsek-Schulkindern ein Forum zum Thema «Beruf und Wirtschaft» organisiert.

Tipps von Branchenkennern

Tagsüber waren die Schulkinder im Sekschulhaus Hofwiese an der Reihe. In verschiedenen Zimmern wurden ihnen Informationen über unterschiedliche Berufssparten geboten: Informatik, Banken, KV, handwerkliche Berufe usw. Am einen Ort referierten ehemalige Sekschüler über ihre Einstiegs-Erfahrungen, am anderen Ort wurden Branchenkenner hinzugezogen. Und überall wurde diskutiert über eine doch recht grosse Flut anfallender Informationen.

Vorstellen mit Kaugummi?

Am Abend waren dann die Eltern zum Themenabend «Berufswahl» geladen. Mit Erfolg: die vordere Gringel-Aula war voll besetzt. Nach Begrüssung und ersten Informationen durch Schulpräsident Leo Sutter und die beiden Seklehrer Hansjörg Etter und Linus Köppel referierten Thomas Knechtle, Luzius Gruber und Joe Manser über den Aufgabenkreis der Schule. Zum einen gibt die Schule natürlich den Rucksack mit, die Schulbildung eben oder, wie auch gesagt wurde, die Schlüsselqualifikationen. Wissen allein genügt allerdings nicht, die Schule hilft auch bei der Ich-Findung. Zum anderen informieren die Lehrer gezielt, damit die Schulabgänger ihre zukünftigen beruflichen Möglichkeiten sehen und damit für einen Entscheid vorbereitet sind. In welche Richtung es aber auch geht, sei es Handwerk, sei es Büro, sei es die zusätzliche Berufsmittelschule: Soweit es für das Kind aufgrund seines Reifegrades möglich ist, soll es den Entscheid selber fällen und selber tragen. Es soll sich auch selber telefonisch beim zukünftigen Arbeitgeber melden, selbst wenn es erst um eine Schnupperlehre geht. Zudem erteilten die Lehrer auch praktische Tipps in Sachen Bewerbungsschreiben und Vorstellen. Es mag kleinkariert klingen, aber ein Kaugummi im Mund ist bei einem Bewerbungsgespräch in der Regel nicht sehr förderlich.

Einseitig, aber erfolgreich

Emil Koller konnte festhalten, dass die Innerrhoder Gewerbler in der Regel sehr lehrlingsfreundlich sind. Und auch erfolgreich. Das zeigen nicht zuletzt die Ergebnisse an Berufswettbewerben. Allerdings seien die Betriebsarten etwas einseitig, sodass gewisse Berufe auswärts erlernt werden müssen. Und er vertrat die Ansicht, dass handwerkliche Berufe durchaus eine Zukunft haben.

Allen eine Chance

Über die zum Teil doch sehr harten Selektionskriterien bei der Wahl der Lehrlinge durch die Wirtschaft orientierte Markus Stutz von Leica Geosystems. Er schlug zudem vor, dass Kontakte zwischen Wirtschaft und Lehrkräften systematisch gefördert werden. Zu den Selektionskriterien hatte Schulpräsident Leo Sutter in der kurzen abschliessenden Diskussion einen Einwand: Es sei wichtig, dass auch schwächeren Schulabgängern eine Chance gegeben werde. In diesem Punkt trage die Wirtschaft eine gesellschaftliche Verantwortung.

Gespräche und Tests

Wer in seiner Berufssuche nicht weiterkommt, kann sich - ob als Schulkind oder auch später als Erwachsener - gratis an die Berufsberatung wenden. Jakob Fässler stellte dieses Angebot vor. Mit Gesprächen, Tests und Lektüre des im Biz vorhandenen Informationsmaterials sollen die Grundlagen für einen persönlichkeitsgerechten Entscheid geschaffen werden.


01.02.2001 © Appenzeller Volksfreund

 

Erfolgreiches Forum "Beruf und Wirtschaft"

Ganz im Zeichen der Berufswahl und Berufsfindung stand ein Projekttag der Sekundarschule Appenzell, der rund hundert Zweitklässlern "einen Hauch von Arbeitswelt" vermitteln sollte. Aber auch die Eltern wurden am Abend für das Zukunft weisende Thema sensibilisiert.

Rolf Rechtsteiner

Das Angehen der Berufsfindung ist für Schüler fast immer ein grosser Brocken. Zwar sehnen sie sich danach, endlich in die Erwaschenenwelt "entlassen" zu werden, keine Schulbank mehr drücken zu müssen, den Schulalltag hinter sich zu lassen. Doch die Wahl des richtigen Berufs und der Weg dazu bergen etliche Hemmschwellen. Nicht immer stimmen Lehrstellenangebot, Rahmenbedingungen und persönliche Fertigkeiten des Kandidaten überein. Es gilt deshalb, den Blickwinkel zu erweitern und sich in einem breiten Spektrum von Möglichkeiten tastend vorzuwagen, bis eine konkrete Entscheidung fällt.

Kontakte mit Lehrlingen
Wertvolle Impulse erhielten die Schüler von Fachleuten aus der Wirtschaft. Gewerbepräsident Emil Koller führte gemeinsam mit Roland Bruderer ein eigentliches "Bewerbungs-Seminar" durch, während Hermann Inauen mit Lehrlingen aus Bank und Handel ihre Berufswelt schilderte. Ein Forum wurde geleitet von einer ganzen Reihe von Lehrlingen, welche ihren Beruf in Kurzvorträgen vorstellten und freimütig die zum Teil etwas zögerlich vorgebrachten Fragen beantworteten. Allesamt ehemalige Schüler der Sek Appenzell, sprachen sie von Sonn- und Schattenseiten ihres Berufs, von Ansprüchen an Genauigkeit, Ausdauer, Durchhaltevermögen und Durststrecken, wie sie entstehen können, wenn man über längere Zeit die gleiche Arbeit verrichten muss.
Beindruckend war aber auch die Praxisnähe, und da und dort blitzte ein Gedanke auf, den sich der Suchende vielleicht nicht macht: Der Schreiner sprach vom Umgang mit Maschinen und vom lebendigen Werkstoff Holz, der Polymechaniker zeigte Begeisterung für technische Neuerungen, erwähnte aber auch, oft fettige Hände an kaltes Material legen zu müssen.

Was bringt der Schüler mit?
Die Rede war nicht nur von Fähigkeiten, sondern auch von Vorlieben. Wer mit Biologie, Chemie und Physik nichts "am Hut hat", sollte nicht Krankenschwester werden, und die Physiotherapeutin muss Freude an Bewegung, Offenheit für Menschen, Phantasie und gefühlvolle Hände mitbringen. Technisch Interessierte brauchen nicht nur geschickte Finger, sondern auch ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Mechaniker kommen ohne gute Kenntnisse in Geometrie nicht zurecht, der Polygraf muss Freude am Gestalterischen haben.

Sehr oft mache man sich völlig falsche Vorstellungen von einem Beruf, erwähnte etwa die Schwesternschülerin. Wer diesen Weg einschlage, sollte es nicht tun, weil er/sie erfolgreich als Babysitter tätig war, sagte sie. Beim Schnuppern im Alltag gingen einem die Augen auf.

Schnuppern und Ausprobieren
Die Buben und Mädchen wurden ermuntert, sich frühzeitig umzusehen - wobei die Schnupperlehre gar nicht der erste Schritt zu sein braucht. Oft kommt man recht weit, wenn man sich mit der Arbeitswelt der Eltern, des Bekanntenkreises und vor allem älterer Kollegen vertraut macht. Im Gespräch lässt sich Vieles erfahren, und es ist möglich, dass ganze Bereiche schon früh (aber nicht zu früh!) aus der Wahl fallen.
Hat man eine bestimmte Richtung vorgesehen, lohnt sich ein unverbindlicher Besuch in einem möglichen Lehrbetrieb. Beim Zuschauen und im Gespräch mit den Ausübenden lässt sich Vieles erfahren und verstehen. Ist der Schüler immer noch von seinem angestrebten Ziel überzeugt, sollte seine Eignung abgeklärt werden (wobei Berufsberater und Lehrkräfte hilfreich zur Seite stehen können). So verbreitet, acht ein Schnupperlehre - die Schule bietet dazu kurze Zeitfenster an - erst richtig Sinn.
Vor allem in grösseren Betrieben ist der Zugang zum Schnuppern mit einigen Hürden verstellt. Oft wird ein Orientierungstag angeboten, und es erden Neigungstests durchgeführt, bevor der Kandidat zur ein- bis zweiwöchigen Lerneinheit eingeladen wird. Auch von solchem Prozedere sollte man sich indes nicht abschrecken lassen.

 


Ein Eckpfeiler des neuen Leitbilds

Die Sekundarschule Appenzell ist dabei, ein neues Leitbild zu erstellen, Einwichtiges Standbein ist dabei die Berufsfindung, wie Vorsteher Hans Jürg Etter erklärte. Man wolle eine gewisse Öffnung erreichen, nicht nur zum einheimischen Gewerbe und Lehrbetrieben im tertiären Sektor. Auch Kontakte zu grossen Industriebetrieben in der Region (Leica) sollten aufgebaut werden. Alle Partner im Berufswahlprozess- dazu gehören Eltern, Erziehende, Berufsberater und nicht zuletzt die Schüler selbst - sollen früh Kontakte knüpfen können mit ihrem möglichen Gegenüber. Zurzeit lanciert man erste Impulsprojekte in der Mitte des zweiten Schuljahrs. Es sei möglich, dass in absehbarer Zeit noch etwas früher damit begonnen werde.

 

 

 


... ist nur das Beste gut genug!
Der Elternabend zum Thema brachte neben vielen anregenden Impulsen und Informationen auch eine Art kalte Dusche mit. Nach viel Lob für die Aufmerksamkeit der Schüler und das Engagement der Lehrkräfte äusserte sich Markus Stutz (Leica Geosystems) als Vertreter der Wirtschaft über die Anforderungen und das Prozedere der Lehrlingsauswahl seiner Firma. Dabei gab er sich knallhart: Man investiere nicht in potentielle Versager, sondern selektiere hart, was sich unter anderem darin manifestiere, dass nur 1 - 2 Prozent der Lehrverhältnisse abgebrochen werde (Kanton Zürich 20 %). Er prangerte mangelnde Sachkompetenz der Lehrkräfte an, die immer noch an althergebrachter Wissensvermittlung festhielten ("Wissen veraltet immer schneller"), statt die Schüler zu Selbstständigkeit, permanentem Überprüfen der Facts und schnellem Agieren in jeder Form von Powerteam zu erziehen. Pünktlichkeit und Korrektheit seien zwar nach wie vor gefragt, aber Einsatz auch nach Feierabend und am Wochenende, die totale Identifikation mit der Aufgabe gehörten heute auch dazu. Für den neuen Ansatz wand er den Sekundarlehrern ein Kränzchen. Es sei richtig, in diesem Bereich "kundenorientiert" zu handeln und an den Anfang die Frage zu stellen: "Was braucht der Lehrbetrieb?".
Das Kurzreferat liess aufhorchen, machte aber auch betroffen. Schulpräsident Leo Sutter sah sich zur Entgegnung veranlasst, dass wohl zwei Drittel der Schulabgänger ohne Lehrstellen wären, wenn alle Lehrbetriebe derart streng selektionieren würden. er lobte in diesem Zusammenhang das heimische Gewerbe, welches auch den sozialen Aspekt hoch halte und einen schwächeren Schüler einstelle. Gewerbepräsident Emil Koller hielt fest, dass ein Schüler, der sich schwer tue, durchaus ein ausgezeichneter Berufsmann werden könne. Er beklagte, dass infolge einseitiger "Baulastigkeit" des Innerrhoder Gewerbes nicht die ganze Palette an Lehrstellen angeboten werden könne. Ein Teil der Schulabgänger müsse auswärts platziert werden. Er beklagte vor allem auch den Lehrstellenmangel, wie er sich Schweiz weit im tertiären Sektor und im Bereich der neuen Technologien, namentlich der Computerbranche, ergebe. Die Nachfrage sei markant grösser als das Angebot, dagegen erlebten handwerkliche Berufe eine Art Inflation, welche schon in wenigen Jahren zu Personalmangel in diesem Sektor führen könne.
Berufsberater Jakob Fässler stellte, wie schon tagsüber den Schülern, die Dienstleistungen seiner Amtsstelle vor und hielt fest, die Berufsfindung sei ein manchmal lang andauernder Prozess. Am Ende müsse der Entscheid aber von der Schülerin / dem Schüler getroffen werden, nicht von den Eltern. Deshalb sei es wichtig, die Begleitung des Prozesses dosiert und mit der nötigen Zurückhaltung anzugehen.

 


31.08.2001 © Appenzeller Tagblatt

 

 

Ein Schulzimmer voller Eltern

Einführungs-Elternabende für die ersten Klassen an der Sekundarschule Appenzell

Nach dem Übertritt in die Sekundarschule sehen sich die Schülerinnen und Schüler der ersten Klassen einem für sie neuen, unbekannten Umfeld gegenüber. An der Sekundarschule Appenzell sind Bemühungen im Gange, die anstehende Probezeit offen und transparent zu gestalten.


Hans Jürg Etter

Es ist wichtig, die Eltern einzubeziehen. Sie erhalten jeweils in den ersten Schulwochen Gelegenheit, sich an einem Elternabend mit den Strukturen und den Anforderungen der neuen Schule, die ihre Kinder jetzt besuchen, auseinanderzusetzen und eine Menge Informationen mit nach Hause zu nehmen. Schülerinnen und Schüler haben derweil den geschützten Rahmen des Klassensystems der Primarschulen mit meist nur einer Bezugsperson verlassen und ins Fachlehrersystem der Sekundarschule hinübergewechselt. Das bedeutet auch für sie viel Neues und Ungewohntes.


Allgemeinbildung
Am Elternabend der Klasse 1a zum Beispiel begrüssten Migg Hehli, Linus Köppel und Manuela Vogelsanger die versammelte, gespannt der Dinge harrende Elternschar. Migg Hehli ist der Klassenlehrer. Ihm oblag damit die Aufgabe, zum Elternabend einzuladen und ihn durchzuführen. Er verwies darauf, dass er mit den Schülerinnen und Schülern im eben angelaufenen Schuljahr über 800 Stunden unterwegs sein werde und dass man ein rechtes und wichtiges Stück Weg gemeinsam gehen wolle. Für den Bereich der mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer ist in dieser Klasse Linus Köppel verantwortlich, für die hauswirtschaftlichen Fächer und zum Teil fürs Werken Manuela Vogelsanger. Die Eltern hatten damit Gelegenheit, drei Hauptlehrkräften ihrer Kinder zu begegnen. Ziel solcher Elternabende ist es jeweils, die wichtigsten Dinge zu vermitteln und offene Fragen zu klären.


Leitungsteam

Linus Köppel erläuterte kurz die Positionierung der Schule und sprach über ihren Stellenwert auf dem Weg zur nächsten Schule oder ins Berufsleben. Dabei stellte er auch das neue Leitungsteam vor, bestehend aus Luzius Gruber (Führung), Edwin Koch (Planung) und Thomas Knechtle (Material). Er ging auch kurz auf die Klasseneinteilungen ein, denn oftmals fragen sich die Eltern, wie diese zustande kommen. Die Einteilung erfolgt zum Teil nach dem Alphabet. Eine grosse Rolle spielen immer die Sachzwänge, die aus Fahrplanzeiten, Wohnort und solchen Dingen entstehen. Alle drei anwesenden Lehrkräfte betonten, dass man nicht allein die Leistung sehe, sondern sich bemühe, Schülerinnen und Schülern den Stoff in einer ansprechenden Weise und zum Teil auch spielerisch zu vermitteln. Mitgegeben werden soll eine gute Allgemeinbildung als Vorbereitung auf das Berufsleben oder als Basis für den Besuch weiterführender Schulen.


Fremdsprachen
Immer wieder wurde betont, dass auch handwerkliche und soziale Fähigkeiten gefördert würden. Gerade in der heutigen Zeit sei das wichtig. Natürlich stelle man gewisse Ansprüche an Ausdauer, Gedächtnisleistung, Denk- und Ausdrucksfähigkeit und anderes mehr, sei aber auch bereit, ganz allgemein die Entwicklung der Persönlichkeit zu fördern, mitzuhelfen, die neuen Schülerinnen und Schüler zum Guten zu erziehen.


Gleichzeitig
Eine kleine Diskussion löste die Parallelität der Fremdsprachen aus, der Umstand, dass Schülerinnen und Schüler in Französisch und Englisch unterrichtet werden. Hier muss die Schule selbst noch Erfahrungen sammeln. Niemand wird aber je auf die Idee kommen, das Kind mit dem Bade auszuschütten.


Gewandeltes Bild
Alles in allem kann man sagen: Das Bild des Lehrers ist in Wandlung begriffen. Er ist vom «Pauker» zum Coach der Schülerinnen und Schüler und des Lernens gemeinhin geworden und leistet einen wichtigen Beitrag in Bezug auf die Wegfindung. Mit dem Bild des Lehrers verändern sich auch die Schulen. Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass die örtlichen Schulen sich aufrichtig darum bemühen, vorzugsweise dem einheimischen Gewerbe und der einheimischen Industrie gute und integre Berufsleute zur Verfügung stellen zu können. Aus den Erstklässlern werden im Laufe der drei Jahre junge Erwachsene, und es wird spannend sein zu sehen, welche Wege sie gehen wollen.

Nach Erfolgen im vergangenen Januar führte die Sekundarschule Appenzell am Montag ihr zweites Forum «Beruf und Wirtschaft» durch. Die Schlüsselstelle zwischen Schule und Arbeitswelt soll möglichst gut betreut werden – im gegenseitigen Interesse. Die Idee, Fachleute aus der Berufswelt und Lehrlinge, darunter ehemalige Sekundarschüler, in die Schule zu holen, um den Zweitklässlern eine reale Begegnung mit der Berufswelt zu ermöglichen, ist nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr wurde diese Aktion mit grossem Erfolg durchgeführt, wie Rückmeldungen aus der Wirtschaft belegen: Die jetzigen Drittklässler hätten sich mit Vehemenz und einem neuen Selbstbewusstsein auf die Lehrstellensuche gemacht. Bei ihren Bemühungen seien ihnen keinerlei nennenswerte Schwierigkeiten erwachsen. Zwar hätten noch nicht alle Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs ihre Überlegungen abgeschlossen, war seitens der Lehrerschaft zu erfahren. Dabei spiele der Gedanke zum Besuch einer weiter führenden Schule immer eine gewisse Rolle. Zudem bestünden Engpässe in bestimmten Berufsgruppen. Lehrstellen für so genannte Traum- und Trendberufe würden mit einer Flut von Bewerbungen angepeilt, was die Auswahlverfahren verlängere.