28. November 2002
Appenzeller Zeitung

Die Berufsfindung erfordert Geduld

Schulgemeinde Appenzell geht neue Wege: Forum «Beruf und Wirtschaft»

Appenzell. In den zweiten Klassen der Real- und Sekundarschule wird das Thema Berufswahl für die Jugendlichen langsam brennend. Mit dem Forum «Beruf und Wirtschaft» geht die Schulgemeinde Appenzell in Beratung und Information neue Wege.

Toni Dörig

Bis vor drei Jahren ist bei der Beratung für die Berufswahl und Lehrstellenfindung praktisch jeder Lehrer seinen eigenen Weg gegangen. Ergänzt wurden diese Informationen mit berufswahlbezogenen Elternabenden. Zur Verfügung standen Hilfsmittel wie die Berufsberatung und das Berufsinformationszentrum (BIZ). Angesichts der elementaren Bedeutung der Berufswahl für die Schülerinnen und Schüler haben die Lehrer der Sekundar- und Realschule in Appenzell - dort werden auf dieser Stufe sämtliche Schulkinder des Inneren Landes unterrichtet - die Initiative ergriffen und vor zwei Jahren zum ersten Mal das Forum «Beruf und Wirtschaft» durchgeführt. «Wir versprachen uns davon einen Bildungsmehrwert», erklärt Projektleiter Hans Jürg Etter. Das Prinzip besteht darin, dass für die zweiten Klassen zum Thema Berufswahl eine Intensivwoche (Realschule) oder ein Intensivtag (Sekundarschule) durchgeführt wird. Auf den Abend dieses Intensivtages ist eine Elterninformation angesetzt. Diese Gleichzeitigkeit soll bewirken, dass in der Familie Gespräche über dieses Thema zu Stande kommen.

Lehrlinge erzählen

Der Intensivtag - er fand am Dienstag zum dritten Mal statt - läuft folgendermassen ab: Die fünf zweiten Klassen der Sekundarschule besuchen rotierend die fünf angebotenen Foren. Dort werden folgende Themen behandelt: Berufsberatung; gewerblich-industrielle Berufe; kaufmännische Berufe und Verkauf; Hotel und Gastgewerbe sowie Verhalten in der Berufswelt. Dabei werden die Sekschüler nicht von ihren gewohnten Lehrern unterrichtet, sondern es referierten Berufsfachleute wie zum Beispiel Christian Lienhard vom Hotel Hof Weissbad über Tourismus, Peter Bartholdi von Huber + Suhner über die Lehrstellen in seiner Firma und der Innerrhoder Gewerbepräsident Emil Koller darüber, wie man sich richtig bewirbt. Dabei hörten die vermutlich erstaunten Schüler, dass sie plötzlich zu Konkurrenten werden können, wenn sich zehn, zwanzig, dreissig und mehr Anwärter für die gleiche Lehrstelle bewerben. Plötzlich ist Werbund in eigener Sache gefordert. Einen wichtigen Bestandteil bilden auch die plastischen Erlebnisberichte von Lehrlingen. Diese Information in Form eines Forums hat mehrere Vorteile. Zum Beispiel wird der gewohnte Schulalltag verlassen und die Schüler spüren: Heute geht es um etwas besonders Wichtiges. So kann der Intensivtag zu einem Anstoss werden, der bei den Betroffenen einen Prozess auslöst. Zudem werden ihnen ganz andere «Lehrer» vorgesetzt, Leute, deren Meinung sie nicht jeden Tag zu hören bekommen. Auch dem Schulhaus als Ganzes tut das Projekt gut: Die Lehrer müssen im Team zusammenarbeiten und die verschiedenen Klassen spüren sich als Einheit.

Besorgte Eltern

Nicht zuletzt die Eltern drängen, wenn es für ihr Kind Zeit wird, eine Lehrstelle zu finden. Angesichts dieser Sorge überrascht es nicht, dass sich im Foyer Cappuccino im Gymnasium Appenzell trotz Champions League zahlreiche Mütter, aber auch Väter zum Informationsabend einfanden. Lehrer und Referenten orientierten wiederum über die gleichen Fragen der Berufswahl, allerdings diesmal für Elternohren. Dabei gab es praktische Tipps für Schnuppertage, zur Bewerbung und vieles mehr: «Es ist wichtig, dass ihr Sohn, ihre Tochter selber anruft oder an einen Betrieb schreibt. Lehrmeister berücksichtigen selten Bewerbungen, die von den Eltern kommen.» Es wurde aber auch Grundsätzliches diskutiert: Die Berufsfindung ist ein Prozess. Sie hat damit zu tun, dass ein Jugendlicher sich selber kennen lernt, weiss, was er gerne tut und was nicht. Berufswahl hat mit Selbstfindung zu tun. Und erfordert deshalb Geduld

Von der Pike auf

Etwas provokativ erklärte Toni Kölbener von der Bühler AG: «Es ist nicht wichtig, welche Lehre ein Jugendlicher macht, sondern dass er überhaupt eine macht.» Kölbener betonte, wie wichtig in der heutigen Berufswelt Flexibilität ist. Deshalb muss ein Lehrling vor allem Selbständigkeit und «das Lernen lernen». Er muss offen sein. Gegenüber Akademikern haben Berufsleute mit Lehre den grossen Vorteil, dass sie ihr Metier von der Pike auf gelernt haben. Sie können, was sie von anderen fordern, selber vormachen. Gewarnt wurde in diesem Zusammenhang vor falschem Ehrgeiz. Muss man das eigene Kind (eventuell einfach aus Prestigegründen) unbedingt ins Gymnasium schicken? Oder wenigstens ins Büro oder in die Computerbranche? Immer mehr zeigt sich, dass es mit dem Glanz der Modeberufe schnell vorbei ist, weil es zu viele Anwärter gibt. Und immer wieder zeigt sich, dass Handwerk durchaus goldenen Boden haben kann. Wenn es zu wenige Spengler, aber zu viele Juristen gibt, dann ist der Spengler bald einmal in der besseren Position. Man soll auch «Berufe mit Handarbeit» schätzen, wurde übereinstimmend gefordert.

«Egal was einer tut»

«Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter», erklärte Schulpräsident Leo Sutter. «Wir müssen uns wieder vermehrt bewusst werden, dass jeder Wertschätzung verdient, egal was er tut, ob es nun eine einfache Arbeit ist oder eine scheinbar ungeheuer wichtige.» Der intensive Applaus auf dieses Votum besagte wohl: Die Arbeit muss ihren Mann, ihre Frau ernähren, sie muss aber auch zufrieden machen. An der Schnittstelle zwischen Schule und Arbeit wird dafür ein erster wichtiger Schritt gemacht.

Stichwort

Beruf und Wirtschaft

Das Forum Beruf und Wirtschaft hat zum Ziel, das Thema Berufsfindung zeitlich konzentriert für Schülerinnen und Schüler der zweiten Sekundar- und Realschulklassen sowie für deren Eltern intensiv anzubieten. Miteinbezogen werden ortsansässige Wirtschaftsbetriebe und grössere Partner aus der Industrie. Das Forum ersetzt die Arbeit an diesem zentralen Thema im Klassenzimmer nicht, es dient aber als Einstieg und als Vertiefung. (td)

 


27. November 2002
Appenzeller Volksfreund

Berufswahl - Thema mit Variationen

Letzte Woche beschäftigten sich die Realschüler im Gringel 1 intensiv mit der Berufswahl, gestern waren es die Sekundarschüler in der Hofwies. Abends waren die Eltern aller beteiligten Schüler zum gemeinsamen Gedankenaustausch eingeladen. Es gibt verschiedene Wege, die künftigen Schulabgänger mit der Berufswahl zu konfrontieren. Waren es vor Wochenfrist Planspiele bei der Realschule, so beschritten die Sekundarlehrer gemeinsam mit Vertretern aus der Wirtschaft den Weg über Forumsveranstaltungen in den einzelnen Klassenzimmern. Schülerinnen und Schülern wurde Gelegenheit geboten, sich mit Kaderleuten und Stiften aus verschiedenen Berufen zu unterhalten und sich mit ihren Auffassungen des Berufsalltags auseinander zu setzen. Neben den einzelnen Diensten der Berufsberatung lernten die jungen Leute nacheinander gewerblich-industrielle und kaufmännische Berufe kennen. In einem weiteren Forum stellte sich das Gastgewerbe vor mit allen Facetten des für den Tourismus relevanten Berufsgattungen. Zu Lehrstellensuche und Bewerbung referierte Gewerbepräsident Emil Koller. Er liess es allerdings nicht bei einem blossen Referat bewenden, sondern spielte mit den Jugendlichen jene Gedankengänge durch, die in verschiedenen Positionen gesponnen werden, bis die Vergabe einer Lehrstelle spruchreif ist. Das Engagement von Personen aus grösseren Industrieunternehmen wurde bewusst angestrebt, um den Lehrstellensuchenden neue Wege zu eröffnen, die über die ortsansässigen Wirtschaftsbetriebe hinaus führen können. Der Abbau von Schwellenangst in diesem Bereich war und ist ein erklärtes Ziel der gesamten Veranstaltung, die bereits zum dritten Mal in Folge durchgeführt wurde. Einmal mehr wurde deutlich gemacht, dass alle Beteiligten sich zu einer engen Partnerschaft finden müssen: Schüler, Eltern, Lehrkraft, Berufsberater und der potenzielle Arbeitgeber können ihren Anteil zum Gelingen des Entscheidungsprozesses beitragen. In eine schlechte Position begebe sich, wer sich auf einen Traumberuf fixieren lasse, wurde gesagt. Oft sei es angezeigt, sich nach branchennahen Varianten umzusehen, bevor man sich auf ein einziges Ziel versteift. Das Gespräch ist deshalb äusserst wichtig und sollte in den Foren erst einmal lanciert werden. «Die Arbeit im einzelnen Schulzimmer wird durch das Forum Beruf und Wirtschaft nicht erledigt, sondern ergänzt», heisst es deshalb im Projektbeschrieb.

 


2. Oktober 2002
Appenzeller Zeitung

«Auch wir waren an der Expo.02 dabei»

Auch wir Sekundarschüler aus Appenzell waren an der Expo in Neuenburg! Wir sahen uns unter anderem die Aua extrema an. Das kühle Nass war eine sehr angenehme Erfrischung für unsere vom Warten arg strapazierten Füsse. Wir liefen uns endgültig wach, barfuss im Wasser, auf Kieselsteinen sachte herumwatend. Das Wasser war an der einen Stelle schön warm, aber nach einigen Metern wurde es so kalt, dass wir fast Hühnerhaut bekamen. «Aua, ist das extrem!»

Zu wenig typisch

Sinn der Expo wäre es ja, die Schweiz nach aussen zu repräsentieren. Davon haben wir in Neuenburg nicht sehr viel mitbekommen. Uns persönlich haben die typischen Merkmale der Schweiz wie Berge, Käse und Nationalflagge gefehlt. Es kam uns vor, als ob es sich bei der Expo um eine Ausstellung handelt, bei der die Menschen und die Umwelt im Zentrum stehen. Eigentlich sollte sich doch die Expo mehr um die Schweiz als Ganzes kümmern.

Viel für wenig investiert

Unserer Meinung nach hat die Expo einen riesigen Haufen Geld gekostet. Wir Schüler haben den Sinn der ganzen Ausstellung nicht immer voll mitbekommen. Die Arteplages sind immer sehr interessant und aufwändig gestaltet. Einigen Projekten konnten wir wirklich nichts Gutes abgewinnen. Wir haben uns im Voraus riesig auf die Expo-Besu- che gefreut, aber im Nachhinein müssen wir feststellen, dass unsere Erwartungen nicht ganz erfüllt worden sind. Die Pavillons der Expo waren interessant, aber der Sinn der Sache kam bei uns jugendlichen Besuchern nicht immer an.

Kalte Restaurants, hohe Preise

Die Preise für Getränke und Verpflegung auf dem Expo-Gelände waren etwas überrissen. Zu den hohen Kosten für Getränke und Verpflegung kam auch noch, dass es in einigen Restaurants fast gleich warm bzw. kalt war wie im Freien. Grund: Die Gastronomiebetriebe wurden nicht oder nur sehr schwach beheizt. Da die Wände vielfach aus Glaselementen waren und eine Seite sowieso offen stand, herrschte Durchzug an allen Ecken und Enden. Fazit: Die Expo ist zwar ein Erlebnis für das Individuum, kann aber nicht als Identifikationsanlass für eine ganze Nation dienen! Anita, Patricia, Eveline, Maria

 


 25. September 2002
Appenzeller Volksfreund

Keine "Nahrung" für (Drogen)Sucht

Rahmenbedingungen im jeweiligen Umfeld eines Jugendlichen oder jungen Erwachsenen bieten, damit kein Suchtverhalten entstehen kann: Das will die Präventionskampagne «Sport gege Socht», die am Sonntag im Rahmen des NLA-Saisonauftaktspiels der «Appenzeller Bären» offiziell gestartet wird. Rauchen und Alkohol werden auch in Innerrhoden immer «beliebter». Nicht nur das: Auch das Einstiegsalter sinkt stetig. Immer häufiger konsumieren bereits 12- bis 14-jährige Jugendliche Suchtmittel, allen voran Raucherwaren (dazu gehört auch das Schnupfen) und Alkohol. «Abgebrühtere» versuchen sich dann auch schon mit Kiffen bis hin zu «härterem» Stoff. «Priorität hat die Prävention», sagt Schulratspräsident Leo Sutter zur neuen Kampagne, deren Ursprung beim Volleyballclub Appenzell-Gonten lag. «Wir wollen die Ursachen für ein Suchtverhalten bekämpfen. Gelingen soll das mit einem ‘gesunden’ Umfeld.» Für Leo Sutter ist ein «gesundes Umfeld» der Umgang miteinander, respektive das gesellschaftliche «Klima» allgemein. Logisch: «Suchtmittelfrei» wäre schon das Idealbild. Aber: Verbieten bringt’s nicht. Im Vordergrund steht deshalb nicht ein «Nullkonsum», sondern ein verantwortungsvoller Umgang mit Suchtmitteln. Das könnte gelingen, wenn man den vermeintlichen «Anreizen» für ein Suchtverhalten die Grundlage möglichst weit gehend entziehen kann. Der VBC hatte schon früher mit der Thematik des sexuellen Missbrauchs ein «heisses Eisen» aufgegriffen, und das Thema Sucht/Doping sollte nun eine Fortsetzungsveranstaltung werden. Darum der Name «Sport gege Socht». Dass aus diesem Vorhaben mittlerweile eine «interdisziplinäre», breit abgestützte Aktion von Behörden, Fachstellen, Schule und Sportvereinen wurde, liegt darin begründet, dass nahezu gleichzeitig die kantonale Kommission für Gesundheitsförderung (bis Sommer 2001 als Kantonale Drogenkommission bekannt) eine Umfrage bei Vereinen über deren Bedürfnisse und Wünsche durchführte. So sei man aufeinander aufmerksam geworden, schildert der Marketingchef der «Appenzeller Bären», Gerhard Hiller. «Schliesslich ziehen wir alle am selben Strick», sagt er, «obwohl teils unterschiedliche Aufgaben, Zielsetzungen oder Ansprüche bezüglich Suchtprävention bestehen».

 


13. August 2002
Appenzeller Tagblatt

 

 

Schulprobezeiten vereinheitlicht

Mitteilungen aus dem Innerrhoder Erziehungsdepartement

Die unterschiedlichen Probezeiten an der Sekundarstufe 1 und im Untergymnasium in Appenzell werden auf Beginn des Schuljahres 2002/03 hin vereinheitlicht. Dies hat die Innerrhoder Landesschulkommission beschlossen.

Für die Schülerinnen und Schüler, welche von der 6. Primar- oder allenfalls der 1. beziehungsweise 2. Realklasse in die Sekundarschule oder das Untergymnasium übergetreten sind, galten bisher unterschiedliche Probezeiten.

Probezeit ein Semester

Während an der Sekundarschule die Neueintretenden eine Probezeit von elf Wochen zu bestehen hatten, galt am Untergymnasium das erste Schuljahr als provisorisch. Aufgrund der langjährigen Erfahrungen haben die Lehrkräfte der betroffenen Stufe, unterstützt durch die Aufnahmekommissionen, der Landesschulkommissionen die Vereinheitlichung der Probezeiten beantragt. Um den Schülerinnen und Schülern die Anpassung an die Anforderungen der neuen Schule zeitlich zu verbessern, soll die Probezeit an der Sekundarschule auf ein Schulsemester ausgeweitet werden. Demgegenüber soll am Untergymnasium die Probezeit von einem Jahr auf ein Semester verkürzt werden.

Ausreichende Dauer

Die Landesschulkommission hat die Anträge der Lehrkräfte und der Aufnahmekommissionen gutgeheissen und die Vereinheitlichung der Probezeiten auf den Beginn des Schuljahres 2002/03 beschlossen. Die Probezeit von einem Semester soll ausreichen, um den Jugendlichen und deren Eltern, aber auch den Lehrkräften, das Leistungsverhalten und die Erfüllung der Anforderungen richtig einzuschätzen und somit festzustellen, ob das Kind die richtige Schule besucht.

Allenfalls frühere Übertritte

Es soll aber auch gleichzeitig möglich sein, dass Jugendliche, bei welchen bereits bis zu den Herbstferien festgestellt wird, dass sie den neuen Anforderungen nicht gerecht werden, nach Absprache zwischen den Eltern und den Lehrkräften zum Zeitpunkt der Herbstferien an eine Abteilung mit leichteren Anforderungen übertreten können. Diese Änderungen betreffen den Beschlusses der Landesschulkommission zu Aufnahme und Übertritt in die Abteilungen der Sekundarstufe 1 und den Beschlusses der Landesschulkommission betreffend die Aufnahme von Schülern in das Gymnasium Appenzell.

Fachhochschuldiplome

Die Schweizerische Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) hat in einem Reglement die Anerkennung kantonaler Fachhochschuldiplome festgelegt. In den Übergangsbestimmungen wurde festgelegt, unter welchen Bedingungen Personen, die ein von der EDK anerkanntes Diplom einer höheren Fachschule, die Fachhochschule geworden ist, erlangt haben, die Erteilung des entsprechenden Fachhochschultitels beantragen können.

Weitere Auskünfte

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Anerkennung der ersten Fachhochschuldiplome durch die EDK und der Nachweis einer mindestens fünfjährigen anerkannten Berufspraxis oder eines erfolgreich abgeschlossenen Nachdiplomkurses, mindestens auf Stufe höhere Fachschule, im betreffenden Fachgebiet gemäss den Richtlinien der Anerkennungskommission. - Das Amt für Berufsbildung steht für weitere Auskünfte zur Verfügung (071 788 93 67).  edai.

 


23.05.2002
© Appenzeller Zeitung

 

Geld verdienen als Lebenserfahrung

Zwei Klassen der Sekundarschule Appenzell gründen das Auktionshaus «Kunst und allerlei Nützlichkeiten»

Schulprojekte kosten Geld. In erster Linie dasjenige der Schulgemeinde und der Eltern. Die Klassen 3d und 3e der Sekundarschule Appenzell haben deshalb das Auktionshaus «Kunst und allerlei Nützlichkeiten» gegründet. Damit werden sie unternehmerisch tätig und erfahren, was es bedeutet, Geld zu erarbeiten.

Hans Jürg Etter

appenzell. Erste einschlägige Erfahrungen haben die Schülerinnen und Schüler dieser beiden Klassen am Samstag vor den letzten Herbstferien auf dem Gallus-Flohmarkt in der Stadt gesammelt. Es war kein Problem, sie zum Mittun zu motivieren, Frei- und Ferienzeit hin oder her. Dort lernten sie, den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage kennen, mussten sich mit Kunden einlassen und mit ihnen um Preise feilschen. Dabei hatten sie Erfolgs- und Misserfolgserlebnisse zu verzeichnen. Das verdiente Geld - nicht viel, gemessen am Aufwand und der investierten Zeit - wurde auf einem Bankkonto gesichert. Es sollte bei Gelegenheit in Projekte einfliessen. Der Umgang mit selbst verdientem Geld ist offenbar ein anderer als mit jenem, das man zugesteckt bekommt.

Unternehmensgründung

Aufgrund dieser Vorgeschichte entstand die Idee, die Methoden zu verfeinern und das Auktionshaus «Kunst und allerlei Nützlichkeiten» zu begründen, ein kleines Unternehmen, das über enorme Ressourcen verfügt. Man sah die Notwendigkeit, sich organisieren zu müssen, weil sonst an ein effizientes Vorgehen nicht zu denken war. In der Betriebsorganisation entstanden Abteilungen und Unterabteilungen. Das Unternehmen fing an zu laufen, zuerst zögerlich. Und als die Abteilungsleiter dann merkten, dass sie Verantwortung wahrnehmen und ihren Job machen mussten, immer schneller. Eine Menge Arbeiten fielen und fallen an: Gegenstände aufnehmen, sie beschreiben und ins Konzept integrieren, Limiten zurechtlegen, die einem anvertrauten Dinge pfleglich behandeln, Korrespondenz erledigen, mit Leuten reden, eine Imbiss-Ecke aufbauen und betreiben und dergleichen mehr.

Fürs Klassenlager

Natürlich müssen die Ziele wirtschaftlichen Tuns vorbestimmt und der Umgang mit den eventuell zu erntenden Lorbeeren vordefiniert sein, nachdem die Risiko-Abwägungen vollzogen sind. Die Schülerinnen und Schüler wollen einen Teil der noch zu erarbeitenden Einkünfte in ihr Klassenlager einfliessen lassen, das sie vom 3. bis zum 7. Juni absolvieren. Ohne grosse Diskussion sind sie auch bereit, die Altpapier-Sammelkasse der Sekundarschule zu äufnen, obwohl sie selbst - bald Schulentlassene - davon nicht mehr profitieren werden. Auch die Verwendung eines Teils der Einkünfte für wohltätige Zwecke ist für sie eine schöne und gute Sache. Teilen ist kein Problem. Diese Fähigkeit scheint der Jugend von heute noch nicht abhanden gekommen zu sein.

Was ist, wenn ...

Aber oft drückt auch der Schuh: Man wagt Schätzungen, versucht, sich die Risiken zu vergegenwärtigen. Was ist, wenn keine Leute kommen, die Hofwies-Turnhalle am Freitagabend leer bleibt? Was ist, wenns sonst hapert, die Technik nicht funktioniert. Da hilft nur eins: eine gute Vorbereitung. Die Eventualitäten müssen bedacht werden, bevor sie sich bei der Durchführung zu Kalamitäten auswachsen. Sind diese Dinge in Ordnung, kann man die Sache zuversichtlich angehen und hoffen, dass die gute Stimmung sich auf die Bieter überträgt. Man darf gespannt sein, was Schülerinnen, Schülern und Gästen am Durchführungsabend widerfährt. Schliesslich ist eine Auktion keine ganz einfache Sache. Hellwach muss der Auktionsrufer sein, und Fehler sollte er beim Zuschlagen keine machen. Die Kasse muss schnell und flexibel sein, muss mithalten, ein Protokoll erstellen. Und die Abrechnung muss samt Schluss stimmen auf Heller und Pfennig. Schliesslich ist den Leuten dazu zu verhelfen, dass sie auch zu jenen Sachen kommen, die sie ersteigert haben. Doch auch das lässt sich lösen. Mit den Vorarbeiten und der Auktion selbst gelangt ein Stück Lebenswirklichkeit in die Schule. Die herbeigeführte Situation ist echt und von einem gewissen Punkt an gibt es kein Zurück mehr, sondern nur noch ein Vorwärts und drei Möglichkeiten: den Erfolg, den Misserfolg und das schale Gefühl in der Mitte. Lässt sich das steuern? Über Werbung zum Beispiel oder über ein geschicktes Vorgehen gemeinhin? Unglaublich, wie umsichtig Schülerinnen und Schüler handeln können, wenn sie echt gefordert sind: «Natürlich muss man sich nach der Auktion bei allen Leuten bedanken, die die Sache in irgend einer Weise unterstütz haben, am besten schriftlich. Das Projekt ist mit dem Ende der Auktion noch nicht zu Ende.»

Auktion morgen Freitag

Am Freitag, 24. Mai, findet die Auktion der Sekundarschüler von 20 bis 22 Uhr in der Alten Hofwies-Turnhalle in Appenzell statt. Eine Vorbesichtigung ist ab 18 Uhr möglich. Die Getränke- und Imbiss-Ecke ist ebenfalls ab 18 Uhr geöffnet.

Zum Ausruf kommen - oft ohne Limite - Originale, Bilder, Grafiken und Drucke von Ernst Bänziger, Ueli Bänziger, Roswitha Dörig, Markus Dulk, Ferdinand Gehr, Dölf Mettler, Lili Langenegger, Theres Tobler, Hundertwasser, Rolf Hauenstein, Bernhard Tagwerker und anderen, Spielzeuge, Lampen, Modellautos, PC-Spiele, Velos, PC-Zubehör, Gebrauchsgegenstände, allerlei Nützliches und Kunst und Krempel gemeinhin.  hje.