29.11.2006

Appenzeller Zeitung

 

Was soll ich bloss werden?

Die zweiten Klassen der Sekundarschule Appenzell wurden über das Berufsleben und dessen Anforderungen informiert

 

appenzell. Mit dem Forum «Beruf und Wirtschaft» erhielten gestern die Sekundarschüler in Appenzell Entscheidungsgrundlagen aus erster Hand für ihren weiteren beruflichen Werdegang.

 

Rosalie Brülisauer

 

Wie bewerbe ich mich richtig? Worauf achten künftige Lehrmeister, welches ist überhaupt der «richtige» Beruf für mich und was für weiterführende Schulen gibt es nach der Sekundarschule? All diese Fragen dürften wohl gestern im Verlaufe des Tages von den Zweitklässlern der Sekundarschule Appenzell gestellt worden sein. Antworten darauf versuchten verschiedene Fachleute zu finden, seien dies ehemalige Schüler, die eine weiterführende Schule oder eine Lehre absolvieren, Lehrlingsausbildner bei KMUs oder Vertreter des Amtes für Berufsbildung.

 

Zwei Gleise

Das Forum Beruf und Wirtschaft für die fünf zweiten Klassen der Sekundarschule Hofwies in Appenzell ist in zwei Teile gegliedert. Während die Schülerinnen und Schüler gestern den ganzen Tag verschiedene Foren besuchten, fand am Abend eine Veranstaltung statt, zu der die Eltern eingeladen waren und bei der den Müttern und Vätern sozusagen im Zeitraffer erläutert wurde, was ihre Kinder tagsüber vermittelt bekamen. Mit dieser Zweigleisigkeit will die Lehrerschaft der Sekundarschule die Diskussionen über die Berufsfindung im Elternhaus evozieren und Bewusstmachungsprozesse in Gang setzen.

Im Einstunden-Rhythmus wechselten die Sekundarschüler die verschiedenen Foren. Die jeweiligen Expertinnen und Experten thematisierten dabei die Berufsberatung, die gewerblich-industriellen, kaufmännischen, die Verkaufs- und Gesundheitsberufe. Natürlich durfte auch ein Forum über die Berufsschulen und die weiterführenden Schulen nicht fehlen.

 

Der erste Eindruck zählt

Im Teil «Lehrstellensuche und Bewerbung» wurde den künftigen Berufsleuten durch Walter Baumann aus Appenzell erklärt, worauf ein Lehrmeister bei einer Bewerbung achtet, wie man die Schnupperwoche erfolgreich meistert und was einen bei einem Bewerbungsgespräch so alles gefragt werden könnte. «Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck» – mit diesem Leitsatz versuchte der Lehrmeister den Oberstufenschülerinnen und -schülern zu vermitteln, worauf es auf dem hart umkämpften Stellenmarkt heutzutage ankommt. «Wenn ihr euch für eine Stelle bewerbt, müsst ihr euch selbst gut verkaufen», lautete die Aufforderung an die Teenager, denn «me wend ond nemid gad di Beschte», so die provokative Aussage des Gewerbevertreters. Für die Schülerinnen und Schüler war dieses Forum die ideale Gelegenheit, einen Lehrmeister zu fragen, worauf denn bei einer Bewerbung zuerst geachtet werde. Sind es nun die Zeugnisnoten, ist es der Lebenslauf, mein Verhalten während der Schnupperwoche oder spielt auch noch mein soziales Umfeld eine Rolle? – Glücklich wohl, wer in allen Bereichen top ist.

 

Werdegang der Referenten

Bevor überhaupt eine Bewerbung geschrieben wird, müssen sich die Schüler einmal klar werden, welchen Weg sie nach der Sekundarschule einschlagen möchten. Ein Zahntechniker, ein Zimmermann, ein Elektromonteur, ein Koch, ein Informatiker, ein Lüftungstechniker, ein Kaufmann, eine Detailhandelsangestellte und ein Fachangestellter Gesundheit sprachen nicht nur über die jeweiligen Anforderungen ihres Berufes, sondern erzählten auch von ihrem persönlichen Berufswahlprozess und Werdegang.

Silvio Breitenmoser von der Appenzeller Berufsberatung orientierte die Sekundarschüler über das Berufsinformationszentrum und nahm das Thema Lehrvertrag unter die Lupe. Als Vertreter der Berufsschulen referierten Hanspeter Schläpfer vom BBZ Herisau und Renato Schmidli von der Berufsschule St. Gallen. Auch ein Gymnasiast zeigte den Oberstufenschülern einen weiteren Weg auf für das Leben nach der Sekundarschule.

 


29.11.2006

Appenzeller Volksfreund

 

Bewerben heisst: Sich gut verkaufen

 

Bereits zum 7. Mal führte die Sekundarschule Appenzell gestern Dienstag ihr Forum «Beruf und Wirtschaft» durch. Es soll eine Schnittstelle bilden zwischen dem Schulalltag und der Zukunft in einem möglichen Beruf. Ein Impuls werde gesetzt, dessen Nachhaltigkeit längst erwiesen ist, sagt Luzius Gruber. Nicht weniger als 26 Gastreferenten kümmerten sich gestern um die 2. Sekundarklassen in Appenzell, unter ihnen ehemalige Schüler, die hautnah schilderten, was es heisst, den geschützten Rahmen der Dorfschule zu verlassen, um aus «Hänschen» einen «Hans» zu machen. Das Amt für Berufsberatung stellte seine Dienste und das Berufsinformationszentrum BIZ vor, gewerblich-industrielle Berufe waren durch eine Reihe von Referenten vertreten. Kaufmännische und Berufe des Verkaufs wurden vorgestellt wie auch die Gesundheitsberufe. Diskutiert wurde auch die Frage, was weiterführende Schulen zu bieten haben und wer sich mit einem Weiterweg via Schulbank befassen sollte. Walter Baumann referierte als Vertreter des hiesigen Gewerbes über Fragen rund um Lehrstellen und Bewerbung. Er machte deutlich, dass der erste Eindruck zählt, dass man durch Nachlässigkeit bei der ersten Begegnung – und sei es nur auf Papier – seine Chance leicht vergeben könne. Für den Bewerber sei wichtig, das zu verkaufen, was er tatsächlich zu bieten hat. Baumann wörtlich: «Jeder von euch hat seine Stärken, und er muss seine Schwächen kennen.» Nur so sei es möglich, im Bewerbungsgespräch den nötigen Eindruck zu hinterlassen, welcher das Interesse eines möglichen Arbeitgebers wecken kann.

 

 

Die Schüler der 2.Sek müssen sich allmählich über ihren Weiterweg in der Berufswelt konkrete Gedanken machen. Dieser Schritt wird ihnen in Appenzell erleichtert durch das eintägige Forum „Beruf und Wirtschaft“.

 

Das Forum bringt den Jugendlichen den Berufsalltag näher als alle Theorie, denn es sind nicht zuletzt ehemalige Schüler, die als Referenten auftreten. Sie schildern eigene Erfahrungen, die nicht allzu weit zurück liegen und wirken dadurch in jeder Beziehung glaubhaft. Dies zeigte sich besonders deutlich im eher intimen Rahmen des Forums C2, wo der Rettungssanitäter Cyrill Inauen und Maria-Angela Kölbener, Fachangestellte Gesundheit (FAGE) am Spital Appenzell, ihre Tätigkeitsfelder mit erstaunlicher Offenheit beleuchteten. Da war die Rede von der gezielten Berufswahl, aber auch vor der persönlichen Befindlichkeit, con Anforderungen und Gefühlen, con Betroffenheit und nüchternen Professionalität. Nicht zu überhören war auch die Begeisterung für eine Tätigkeit, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Hilfe in Notsituationen. Sekundarlehrer Luzius Gruber erläutete gegenüber Vertreterinnen der Landschulräte, der Hauptharst der Schulabgänger suche seinen Weiterweg in gewerblich-industriellen Berufen vor Ort. Entsprechend gross war das Aufgebot an Referenten, welche ihren Werdegang und ihr berufliches Umfeld vorstellten. Zahntechniker, Elektromonteur, Zimmermann, Koch, Informatiker und Lüftungstechniker reichten sich im Forum B die Hand, um Ansprüche und Anforderungen an die Lehrlinge in ihrem ureigenen Beruf zu erhellen, ihren persönlichen Zugang zu schildern und in frei gewählter Runde Detailfragen zu beantworten. Nicht immer spannend gestalteten sich die Ausführungen von Milo Goldener und weiteren Referenten zu den Berufen des Verkaufs. Auch hier bot sich die Möglichkeit zur Rotation, damit eingehend diskutiert werden konnte über jene Dinge, welche Die Schülerinnen und Schüler in diesem Zeitpunkt tatsächlich unter den Nägeln brennen.

Walter Baumann stellte Zusammenhänge her zwischen Berufsabsicht, erster Kontaktaufnahme mit einem passenden Betrieb, Schnupperlehre und Bewerbungsschreiben. Am Ende bot er sogar an, solche mit den Kandidaten in Bedarfsfall auf privater Basis zu diskutieren und Verbesserungen anzuregen. Wer sich bewerbe, müsse den potenziellen Lehrmeister davon überzeugen, dass er eine gute Wahl treffe. Das mache nötig, dass er Kandidat weiss, was gefordert wird und was er tatsächlich dazu beitragen kann. Genau da setze die Berufswahlvorbereitung an der Sek Appenzell an, erklärt Hans Jürg Etter, langjähriger Kämpfer für die gute Sache. Mit Fragen der Ich-Findung werde schon zu Ende der 1. Klasse begonnen. Der Schüler lerne eigene Interessen wahrnehmen, seine Fähigkeiten richtig einschätzen und werde über das Fach Lebenskunde seiner selbst gewiss. In der Berufskunde lerne er, dass ein Berufsziel im heutigen Bildungssystem nicht nur über den Königsweg, sondern auch auf kurvenreicher Strecke zu erreichen ist – vorausgesetzt, man verliert es auf dem Weg nicht aus den Augen. An dieser Stelle setzten die Ausführungen des kantonalen Amtes für Berufsbildung an. Vorgestellt wurde das Berufsinformationszentrum BIZ, aber auch die Möglichkeit, sich persönliche Beratung zu holen. Gesprochen wurde in der Runde zudem über die Bedeutung des Lehrvertrags und die Rechte und Pflichten, dich sich damit verbinden.

 


03.06.2006

Appenzeller Volksfreund

 

Preis für Sek 3b am Internet-Berufswahlwettbewerb «Traumlehre»

 

Die Hans Huber Stiftung hat dieses Jahr zum zweiten Mal den Internet-Berufswahlwettbewerb «Traumlehre» ausgeschrieben. Schülerinnen und Schüler aus den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Appenzell sowie dem Fürstentum Liechtenstein und Vorarlberg waren aufgerufen, im Wettstreit mit anderen Gruppen einen Internetauftritt zu gestalten. Unter den Ausgezeichneten befindet sich die 3. Sekundarklasse von Lehrer Bruno Gregorin aus Appenzell. Ziel des zum zweiten Mal durchgeführten Wettbewerbs war es, Jugendliche im Zusammenhang mit der Berufswahl zu motivieren, sich vertieft mit der Berufslehre als Grundausbildung, aber auch mit deren attraktiven Karriere-Möglichkeiten auseinander zu setzen. Die Aufgabe bestand darin, in Gruppen einen Internet-Auftritt zu einem bestimmten Thema zu gestalten, das mit einer beruflichen Ausbildung im Zusammenhang steht. Die fünf Schüler und eine Schülerin der Klasse 3b der Sekundarschule Appenzell, die am Wettbewerb teilnahmen und eine Homepage gestalteten, konnten gemäss ihrem Lehrer Bruno Gregorin sehr selbständig arbeiten. Mit viel Eigenleistung und kreativen Ideen setzten sie einen Internetauftritt rund um das Thema «Lehre» um. Ihre Arbeit «Appenzeller Berufe» landete auf dem 2. Rang und kann auf www.traumlehre.org angeschaut werden.


24.05.2006

Appenzeller Volksfreund

 

Fussballschuhe statt Franzbücher

 

Am Montag fand an der Sekundarschule Appenzell ein Spiel- und Sporttag statt.

 

Für einmal blieben am Montag die Schulbücher zu Hause und die Schulbänke leer. Statt Schulstoff zu büffeln, massen sich die Schülerinnen und Schüler im sportlichen Spiel. Verschiedene Ballsportarten waren angesagt. Die Teams wurden aus allen Klassen gebildet, wild durchmischt, Mädchen und Knaben, von den Kleinen bis zu den Grossen. Im Vordergrund stand zwar nicht der Turniersieg, sondern die Freude am Spiel. Dennoch wurde eifrig um Punkte gekämpft.

In den Turnierpausen standen zehn Plauschposten bereit. So mussten in einem Parcours innert kürzester Zeit Schwingerhosen, Flossen, Handschuhe und weitere Kleidungsstücke angezogen werden. Ebenso galt es, auf Dosen balancierend eine Strecke zu bewältigen, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren. Einfacher gestaltete sich das Büchsenwerfen, da die Windböen das ihre beitrugen und die Büchsen oft schon vor dem ersten Wurf fielen. Zur Wahl standen auch ein Wettnageln, ein Dartpfeilwerfen, das Suchen von Münzen im Sägemehl oder ein Lauf, der zu dritt und mit zusammengebundenen Beinen zu bewältigen war.

Den Abschluss des Tages bildete ein Fussballspiel einer Schülerauwahl gegen die Lehrkräfte. Die Schüler gewannen mit kräftiger Unterstützung des Publikums und des Platzspeakers deutlich. Obwohl die Lehrer mit vereinzelten Paraden zu überzeugen vermochten, wurde ihnen nicht einmal ein Ehrentor gewährt.

 


04.03.2006

Appenzeller Volksfreund

 

Die Führung der freundlichen Schule

 

Leo Sutter engagierte sich dreizehn Jahre lang im Schulrat der Schulgemeinde Appenzell. Acht Jahre lang stand er dem Gremium als Präsident vor. Ein vom Miteinander geprägter Führungsstil war ihm dabei zentrales Anliegen. Auf den 31. März 2006 hat er seinen Rücktritt eingereicht. Er blickt zurück auf eine «wunderbare Zeit». In Leo Sutters Zeit als Schulpräsident von Appenzell fielen grosse Bauvorhaben. Um die Jahrtausendwende hat man mit der Schulraumplanung begonnen und innerhalb von fünf Jahren ist sie umgesetzt worden. Ziel war eine gute Infrastruktur, um die markanten Schwankungen bei den Schülerzahlen auffangen zu können. Ohne Zweifel gehörten die umfangreichen schulischen Bauten zu den Höhepunkten von Sutters Präsidialzeit. Genauso lag ihm jedoch das Projekt «Freundliche Schule» am Herzen. Mit Weiterbildungen für die Lehrkräfte und in Gesprächen sollte ein Klima an den Appenzeller Schulen geschaffen werden, «das geprägt ist von gegenseitiger Achtung und Respekt – so, dass möglichst allen wohl ist». Es gehe dabei um das Grundbedürfnis jedes Menschen, sich ernst genommen zu fühlen«, erklärt Leo Sutter die Grundhaltung gegenüber Kindern, Eltern und Lehrkräften. In diesem Sinn hat er auch versucht, den Schulrat zu leiten. Es entspräche ihm nicht, von oben herab zu diktieren, sagt er. Er habe immer das Miteinander favorisiert: Gemeinsam Entscheidungen treffen und gemeinsam Verantwortung tragen. Er ist überzeugt, dass er mit dem «weichen» Führungsstil meistens erfolgreich war. Für ihn habe es nur so gestimmt. Er wäre sonst nicht authentisch gewesen, betont er. Er blickt auf eine «wunderbare Zeit» zurück. Dass er jetzt sein Amt abgibt, hat mit unterschiedlichen Faktoren zu tun. Es sei einfach der richtige Zeitpunkt, meint er. Zumal man im Schulrat schon vor einiger Zeit eine geeignete Nachfolgerin, Ottilia Dörig-Heim, gefunden habe. Im Gremium ist es schon eigentliche Tradition, dass man sich beizeiten Gedanken um die Nachfolge ausscheidender Mitglieder mache. Wichtig sei, dass man Menschen für diese Ämter finde, die sich gerne engagieren, die die Sache der Schule und der Kinder zu ihrer ganz persönlichen Sache machen. Leicht falle ihm das Loslassen nicht, eben weil es ihm ein Herzensanliegen war, die Schule auf einem guten Weg zu begleiten, gesteht Leo Sutter. Das sei ein längerer Prozess, wenn man sich von so einer faszinierenden Arbeit für das Gemeinwohl verabschiede. Die Schule mitzugestalten habe ihm ein wunderbares Gefühl vermittelt.