22.11.2012

Gesundheit ist ein wertvolles Gut

Sekundarschüler in Appenzell üben sorgfältigen Umgang mit Körper und Seele



Am vergangenen Montag führte die Sekundarschule Appenzell ihren Gesundheitstag für Schülerinnen und Schüler der 1. Klassen durch. Fünf Themen wurden angesprochen in Theorie und Praxis.

Rund 80 Schüler in vier Klassen kamen in den Genuss des Gesundheits­forums 2012, das mit einem Vortrag von Dr. Jürg Barben vom Kinderspital St. Gallen begann. Er sprach vor dem Plenum zum Thema «Tabaklobby und Kinderfänger» mit dem Ziel, die Schüler auf die gefährlichen Verlockungen der Werbung hinzuweisen und letztlich vor dem Einstieg in die Raucherkarriere zu bewahren. Erfahrungsgemäss greife dieses Thema gut bei den ersten Klassen, wurde im Lehrerzimmer bilanziert. «Wir bestärken jene im Verzicht, die noch nicht auf den Blauen Dunst hereingefallen sind.» Nicht zuletzt deshalb seien immer wieder ganze Klassen für das Projekt Nichtrauchen zu gewinnen, und gemeinsames Durchhalten könne oft mit den begehrten Diplomen belohnt werden.

«Meine Klasse und ich»
Einen Beitrag zum seelischen Wohlbefinden leisteten Nicole Borra und Martin Weidmann aus dem Fachbereich Sozialberatung. Sie setzten Impulse zum sorgsamen Umgang miteinander, sprachen über Bevorzugung und Ausgrenzung, über Unterschiede auch, die man einfach akzeptieren muss. «Man kann nicht jeden mögen, und man wird nicht von jedem und jeder gleichermassen geschätzt.» Das sei unverrückbare Tatsache. Die Frage bleibe deshalb, wie man sich miteinander arrangieren kann, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Antworten wurden spielerisch erforscht, etwa in einem kleinen Experiment: Mit dem Tandemstift – zwei Hände führen wortlos einen Filzer – war ein Hund zu zeichnen, und das mit zugelostem Partner. Die Aufgabe selbst löste allgemeine Heiterkeit aus, und die Ergebnisse erst recht.

Gesunde Ernährung
Das Stichwort ist in aller Munde, aber niemand weiss wirklich Bescheid. ­Ralph Lengwiler lockte die Kinder aus der Reserve, indem er sie über ihr Wissen bezüglich Inhaltsstoffen der Lebensmittel befragte. Von Zucker und Fett war bald einmal die Rede, auch Eiweisse sind zur Not bekannt. Dass es aber die Ballaststoffe sind, die ein nachhaltiges Sättigungsgefühl bescheren, hatte schon Erklärungsbedarf. Und was man sich mit Obst und Gemüse Gutes tut, war Teil des an sich alltäglichen Themas.

Körperarbeit
Unter diesem Titel lassen sich zwei Ateliers subsumieren, die aktive Betätigung in den Vordergrund rückten. Zwei aktive Könner des Aikido–Clubs Appenzell stellten die hohe Kunst der Selbstverteidigung mit defensiven Mitteln, aber grosser Körperbeherrschung und Beweglichkeit vor. In diesem Punkt liessen sie die Anfänger «alt» aussehen. Die Aufwärmübungen wurden ziemlich steif angegangen, aber bald kam Bewegung in die Gruppe. Was Schwung und Hebelgesetze alles bewirken, lässt sich allerdings nicht in einer Stunde demonstrieren. Auch die Körperarbeit, zu der Shiatsu–Therapeutin Jutta Petter anleitete, verfolgt hohe Ziele. Körperliches Wohlbefinden, gewonnen aus aktiver Entspannung, die durch eine Zweitperson unterstützt wird, wurde geübt. Es war mäuschenstill im Raum, und die Schülerinnen und Schüler liessen sich offensichtlich auf das Experiment ein, das seine Bewährungsprobe in früheren Foren längst bestanden hat. Weggelassen wurde diesmal der Bereich Sexualkunde. Nicht, dass er nicht wichtig wäre und immer auf grosses Interesse stiess! Es sei vielmehr so, dass für dieses grosse Thema ein zu kleines Zeitfenster zur Verfügung steht, wurde gesagt. Im Klassenverband kann besser auf die vielschichtigen Probleme immer dann eingegangen werden, wenn etwas die Schüler akut beschäftigt.

 

 

3.11.2012

Sicher begleitet zum richtigen Beruf

Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule haben sich an einem Projekttag mit Fragen der Berufswahl auseinandergesetzt



Am letzten Dienstag führte die Sekundarschule Appenzell einmal mehr das Forum «Beruf und Wirtschaft» auf der Ebene der zweiten Sekundarklassen durch. Dieses vor einem guten Jahrzehnt in die Sekundarschule implementierte Element dient dazu, Schülerinnen und Schüler an die Welt von Gewerbe–, Industrie– und Wirtschaft heranzuführen und sie mit den Anforderungen ihres Wunschberufes vertraut zu machen.


Ein Prinzip des Forums «Beruf und Wirtschaft» ist die Öffnung. Also lädt man Gäste ein, Erwachsene, die im weitesten Sinne mit Berufswahlprozessen zu tun haben, aber auch Lehrlinge, meist ehemalige Schülerinnen und Schüler. Das führt oft dazu, dass der Chef mit einem oder zwei Lehrlingen im Schulzimmer steht, und die Schülerinnen und Schüler können den Umgang, den sie miteinander pflegen, sozusagen «live» beobachten. Bereits dies kann Ängste abbauen. Zudem können die Schülerinnen und Schüler mit den Lehrlingen auf gleicher Ebene reden. Sie können sie auf ihre Erfahrungen hin befragen. So erhalten sie oft wertvolle Ratschläge und Tipps. Irgendwann – nach Wochen oder Monaten – sind sie mit den Sonnen– und Schattenseiten ihres Wunschberufes dann so vertraut, dass sie eine klare Entscheidung treffen können. Natürlich hat im Rahmen dieser Veranstaltung das Amt für Berufsbildung ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Im Rahmen des aktuellen Forums wurde dieser Teil von Eva Feierabend und Werner Hugener bestritten. Deshalb findet jeweils eins der insgesamt fünf Foren im BIZ statt. Schülerinnen und Schüler gewinnen Einblick in die Dienstleistungsangebote dieser Amtsstelle und können Schwellenängste und Hemmungen abbauen, denn Pubertierende fragen nicht immer gerne nach Hilfe, wollen alles lieber selber können, sich der Gefahr des Scheiterns aussetzend. Ergänzt wurde dieses Forum durch ein weiteres, in dem die vier Klassen die medialen Möglichkeiten nutzten, um bei der Berufswahl einen Schritt oder ein Schrittchen weiterzukommen. Hier konnten sie – willkommene Abwechslung – selber tätig sein und sich mit den Hilfestellungen beschäftigen, die das Internet für Suchende bereit hält. Sie konnten quasi die Schleusen öffnen, um sich von den zahllosen und oft genug auch zahnlosen Informationen überfluten zu lassen. Ein anderes Forum galt den gesundheitlichen und technischen Berufen sowie jenen, die das Gastgewerbe bereit hält. Vertreten wurden diese Berufe von Pia Hollenstein vom Spital Appenzell und Thomas Ribi von «Huber+Suhner» sowie einigen Lehrlingen aus den entsprechenden Bereichen. Ein nächstes, ähnlich angelegtes Forum stellte kaufmännische Berufe, Beruf des Verkaufs, Bauberufe, sowie die Berufsbilder des Polygraphen und der Polydesignerin vor. Auch dieses Forum unter der Ägide von Franziska Ebneter von der Appenzeller Kantonalbank und Manfred Guidolin von der Migros Appenzell griff auf Lehrlinge zurück, die, als Assistenten eingesetzt, mit den interessierten Schülerinnen und Schülern in Kleingruppen arbeiteten.

Eltern einbeziehen
Ein anderes wichtiges Element im Kaleidoskop der Berufswahl stellt jeweils jenes Forum dar, das sich um Fragen der konkreten Lehrstellensuche und der Bewerbung dreht. Markus Sutter von der Bäckerei «Böhli» präsentierte diesen Teil. Die Tagesveranstaltung für die Schulklassen wird jeweils von einer Abendveranstaltung für Eltern und Erziehende flankiert. Dieses Mal war man dafür im «Gringel» zu Gast. An der Abendveranstaltung versuchen Lehrkräfte zusammen mit Fachleuten der Berufsberatung und Vertretern von Gewerbe und Industrie Fakten und Ratschläge rund um die Berufswahl zu vermitteln. Die Parallelität der beiden Veranstaltungen ist bewusst gewählt und soll die Jugendlichen mit Eltern und Erziehenden ins Gespräch über ihren Berufswahlprozess bringen. Hier gilt, dass man nicht genug reden kann, denn schliesslich – das ist bei vielen Jugendlichen so – müssen sich aus vagen, oft romantischen Schemen und Vorstellungen letztlich klare Konturen heraus kristallisieren, es sei denn, sie hätten, was vorkommt, ihre Entscheidung zum Beispiel aufgrund irgendwelcher Erfahrungen oder Erlebnisse bereits getroffen. Es gibt eben auch die, die ihre Wahl früh treffen, und dann können sie in der Regel weder von Eltern noch Lehrkräften davon abgebracht werden, auch wenn letztere sich ob der haarsträubenden Entscheidung die Haare raufen. Wenn ein Dreikäsehoch erzählt, er wolle Pirat oder Umweltaktivist werden, muss man ihn halt gewähren lassen. Irgendwann merkt er dann schon, dass das keine offiziellen Lehrberufe sind.

Offene Begegnungen
Der letzte Dienstag war ein Tag der offenen und ungezwungenen Begegnungen. Er war für die Schülerinnen und Schüler auf der einen und für die Referentinnen, Referenten und Lehrlinge auf der anderen Seite zwar eindrücklich, aber auch streng und fordernd. Es ist eigentlich ein kleines Wunder, dass es der Sekundarschule Appenzell Jahr für Jahr gelingt, die notwendigen externen Kräfte zu rekrutieren, und man muss dem einheimischen Gewerbe sowie zahlreichen Industriebetrieben aus der Region und anderen Institutionen, die sich immer wieder engagieren, ein Kränzchen winden. Schliesslich aber geht es im Berufswahlprozess um Vieles, letztlich gar um das Prosperieren der Wirtschaft, und dies in einer Zeit, in der mehr und mehr europäische Länder die Jugendlichen um das betrügen, was ihnen zusteht. Man darf dabei einfach nicht vergessen, dass auf beiden Seiten Menschen stehen. Und man darf vor allem nicht vergessen, dass viele Jugendliche sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen, dass sie sich wirklich Mühe geben, sorgfältig planen, sich informieren und in der Berufswelt wirklich Tritt fassen wollen. Es geht – vom Jugendlichen aus gesehen – darum, sich richtig zu positionieren, sich über die echten Interessen klar zu sein, eine blendende Bewerbung zu schreiben, im Bewerbungsgespräch zu brillieren und nicht irgendwelche Tölpeleien zu begehen und so Chancen zu verspielen. Es geht darum, die richtige Auswahl aus einem ungemein vielgestaltigen, breiten Angebot zu treffen, das seit einigen Jahren zudem in einem eigentümlich schrägen, linguistisch höchst interessanten Jargon daherkommt, wenn man etwa an den Autobilmechatroniker oder andere geniale Sprachschöpfungen dieser Art denkt. Es geht auch darum, angemessene Plätze für Schnupperlehren zu finden, unmittelbar Erfahrung zu sammeln, die eigenen Gewichte auszutarieren, selber tätig zu werden, geschickt zu sein, Konkurrenten auszustechen, höflich aufzutreten, sich nicht hängen zu lassen, an vieles zu denken und vieles zugleich zu tun. Der Jugendliche im Berufswahlprozess muss sich über vieles im klaren sein und gar über manches, das vielen Erwachsenen im Veraufe ihres Lebens völlig unklar geworden ist. Die Gesellschaft verlangt viel von ihnen, und so ist es eben eine fordernde, eine strenge Zeit, diese Zeit der Berufswahl und diese Zeit der Hoffnung auf ein gutes Leben.