15.11.2014

Feuer und Flamme für Handarbeit und Werken

Appenzeller Schülerinnen und Schüler verschenken verzierte Zündholzbriefchen

Regelmässig machen die Handarbeits– und Hauswirtschaftslehrerinnnen der Ostschweiz auf das Potenzial ihrer Unterrichtsfächer aufmerksam. In der jüngsten Aktion gestalten sie mit ihren SchülerInnen unter dem Motto «Feuer und Flamme» Zündholzbriefchen und verschenken sie anschliessend. In Appenzell werden sie ab 18. November in Geschäften an der Hauptgasse verteilt.

Die Deckblätter der Zündholzbriefchen eignen sich bestens, um Gestaltungsmöglichkeiten auszuprobieren. Die Mädchen des Freifachs Handarbeit der dritten Sekundarklasse in Appenzell probieren das Spiel mit Farben, indem sie die Kartonplättchen mit verschieden farbigen Garnen umwickeln. Andere Schülerinnen von Rita Neff, die gerade den Umgang mit der Nähmaschine lernten, stickten Ziermuster auf Hightechstoffe oder auf Filz, wieder andere nähten Linien über mehrere Stofflagen und schlitzten diese danach auf, was einen plastischen Effekt ergab. An der Aktion «Feuer und Flamme» (für Handarbeit, Werken und Hauswirtschaft) sind in Appenzell Innerrhoden alle Schülerinnen und Schüler ab der zweiten Primar– bis zur dritten Oberstufen–Klasse beteiligt. Jede Handarbeits– oder Werklehrerin verziert mit den Kindern und Jugendlichen die Zündholzbriefchen mit einer Technik, die gerade zum Lernprogramm gehört. Das kann Stricken oder Häkeln sein, aber auch Töpfern: Rita Neff hat mit einer Klasse die Struktur von Spitzenstoffen in dünne Tonplättchen gewalzt, diese glasiert und gebrannt, bevor sie auf die Zündholzbriefchen geklebt wurden. So entsteht eine Vielzahl von kleinen Gebrauchskunstwerken – zu schade zum Wegwerfen.Mit der Aktion machen die Handarbeits–, Werk– und Hauswirtschaftslehrkräfte auf den Wert ihrer Unterrichtsfächer aufmerksam. Sie sind einerseits Ausgleich zu den kopflastigen Schulfächern. Doch Mädchen und Burschen lernen dort nicht nur Nähen oder Schrauben, nicht nur Sägen oder Stricken, sondern eignen sich Fingerfertigkeit an, sie trainieren die Feinmotorik. Beim Schneidern eines Kleidungsstücks oder der Umsetzung eines Menüplans lernen sie strategisches Vorgehen, Anleitungen und Rezepte zu lesen. Sie lernen nicht nur präzises Arbeiten, sondern auch Ideen und Problemlösungen zu entwickeln.Vor allem gefällt den Schülerinnen, dass sie kreativ tätig sein können, sagen alle Befragten. Die meisten antworten auf die Frage warum sie Handarbeit auch nach den obligatorischen Semestern in der ersten Oberstufe noch als Freifach belegen: «Es macht mir Freude mit den Händen zu arbeiten, etwas herzustellen, das ich nachher brauchen kann.»In der Ostschweiz werden im Rahmen der Aktion «Feuer und Flamme» des Dachverbands der Ostschweizer Lehrpersonen für Handarbeit, Hauswirtschaft und Gestalten (HHG) 70 000 Zündholzbriefchen in zehn Kantonen verteilt. In Appenzell wird ab 18. November die Kundschaft einiger Geschäfte an der Hauptgasse damit beschenkt.


29.10.2014

Gesund und erfolgreich unterwegs

Die Appenzeller Sekundarschülerinnen und –schüler erhielten eine geballte Ladung Informationen für einen gelingenden Lebensweg

Gesund sein heisst körperlich fit sein, sich psychisch wohlzufühlen und in ein soziales Umfeld integriert zu sein. Zu einem gelungenen Lebenslauf gehört Ausbildung und ein spannender Beruf mit Zukunftsperspektiven. Einiges an Rüstzeug dafür bekommen die Jugendlichen in den Schulen, wertvolle Zusatzinformationen erhielten die Sekschülerinnen und –schüler von Appenzell am Dienstag in Spezialforen.

Für die Mädchen und Burschen der ersten Sekundarklasse begann das Gesundheitsforum 2014 mit einem Vortrag des Hausarztes Kurt Balmer. Der erste Patient des Tages – der Computer – konnte nicht gerettet werden, so sprach der Allgemeinmediziner frisch von der Leber. Drei Grundkonstellationen machen Gesundheit aus: die körperliche Gesundheit, die psychische und die soziale Gesundheit. Zu den drei Grundsteinen konnten sich die 13–Jährigen während des ganzen Tages spezifische Informationen und Einblicke in vier Foren holen.

Dem Körper Gutes tun
Die Zuhörenden waren alle jung und gesund. Damit letzteres so bleibt, gab ihnen Kurt Balmer Grundlegendes mit: «Ernährt euch vernünftig, vermeidet Gesundheitsrisiken wie Rauchen und Alkoholmissbrauch, vermeidet Risikoverhalten in der Freizeit».Der menschliche Körper ist gebaut für Bewegung. Heute sitzen die Menschen viel zu viel. «Der Körper kann wie ein Fahrzeug wenn man ihn zuwenig braucht, Standschäden bekommen», erläuterte Kurt Balmer. Er riet den jungen Leuten auch nach der Schulzeit wo regelmässiger Sport obligatorisch ist, weiterhin Sport zu treiben. «Ihr tut eurem Körper damit unendlich viel Gutes».In Anbetracht dessen, dass in der Schweiz jährlich 64 Milliarden Franken für die Gesundheit ausgegeben werden (die Hälfte davon von Privathaushalten), und dass ein riesiger Markt Geld mit Gesundheitsliteratur, Säftli, Pülverli und Kuren macht, riet er zu moderatem Verhalten – alles mit Mass.

Körper und Seele pflegen
Im Karate–Workshop lernten die Jugendlichen die asiatische Kampfkunst Karate von Konstatin Jordanidis auf beeindruckende Weise kennen. Bei Jutta Petter konnten sie anwenden was sie lernten: Shiatsu, eine sanfte Massage–Art um Muskeln und Gelenke zu lockern und den Energiefluss zu fördern. Er habe sich dabei sehr wohl und entspannt gefühlt, erzählte ein Teilnehmer. In der Schulküche wurden Nasen und Geschmacksnerven gefordert. Die Mädchen und Burschen versuchten Kräuter zu erkennen, die Zuckermenge in Süssgetränken zu erraten, Geschmacksrichtungen und Zutaten von Joghurts zu identifizieren oder Öle den entsprechenden Nüssen zuzuordnen. Claudia Holzner brachte den Schülerinnen und Schülern die gesunde Ernährung näher.Abgerundet wurde das Gesundheitsforum durch das Thema Zusammenleben. «Nichts ist dem Wohlbefinden so abträglich wie soziale Isolation», sagte Balmer in seinem Vortrag. Monika Dammann und Martin Weidmann gingen in ihrem Refererat auf das soziale System Schulklasse ein.

Abenteuer Berufsbildung
Die Jugendlichen der zweiten Sekundarklassen machen sich bereits auf ins Abenteuer Berufsbildung. Einige haben bereits «geschnuppert». Am Dienstag erhielten sie im Forum Beruf und Wirtschaft eine Menge Informationen von Fachleuten wie Lukas Sutter vom Berufsbildungszentrum Herisau, der ihnen Wissenswertes zu den rund 240 Berufen weitergab, die man in der Schweiz mittels Berufslehre erlernen kann. Spitzenreiter sind die kaufmännischen Berufe. Der Referent machte den Mädchen schmackhaft, auch in einem technischen Beruf zu schnuppern und den Burschen, sich auch über typisch weibliche Berufsfelder zu informieren.Fünf angehende Berufsleute erzählten den Schülern wie sie den Einstieg ins Berufsleben erlebt haben. Die einen mussten sich an andere Tagesabläufe gewöhnen, die andern spürten wegen körperlicher Arbeit mehr Müdigkeit. Alle zeigten Begeisterung für den gewählten Weg. Die strahlenden und kompetenten jungen Männer und Frauen waren beste Reklame für das duale Bildungssystem. In der Schweiz ist dank massgeschneiderten Ausbildungswegen alles möglich. «Es gibt keine falschen Entscheidungen», sagte Lukas Sutter.

Tipps für guten Start
Damit der Start gut gelingt, braucht es Interesse und Motivation, aber auch die richtigen Informationen. Drei Referenten orientierten die Jugendlichen über die Berufsberatung, Rico Roduner (Kantonale Verwaltung) und Markus Sutter (Bäckerei «Böhli») gaben Tipps für Bewerbungsschreiben und –gespräche. Über Berufe im Detailhandel, kaufmännische und handwerkliche Berufe sowie über Berufs–, Fachmittel– und Berufsmaturitätschule gaben Lernende, Lehrmeister und Berufsleute in zwei Foren Auskunft. Lukas Sutter rief den jungen Leuten zu: «Schaut, was ihr noch für einen spannenden Weg vor euch habt!» Mit einer Lehrstelle sind nicht nur Unterstützung und Lohn verbunden, sondern auch Erwartungen: Es baucht Eigenverantwortung, Durchhaltewille, Lernbereitschaft, Achtsamkeit. Auf der von Eltern und Schule gelegten Basis können die Jugendlichen aufbauen und ihren Weg zunehmend selbständig gehen. Dazu machte der Spezialtag Lust und Mut.

 


4.7.2014

Ein Berner Optimist als Sportlehrer in Appenzell
Im Januar 1972 kam Heinz Bigler nach Appenzell, um jene Stelle anzutreten, auf die er von einer Bekannten aufmerksam gemacht worden war. Damals wusste er nicht, dass seine Aufgabe ihn für gut vierzig Jahre an Appenzell binden würde. Heinz Bigler geht mit dem Ende des Schuljahres 2013/2014 in Pension und blickt auf ein erfülltes, von glücklichen Umständen geprägtes Arbeitsleben als Sportlehrer zurück.

Hans Jürg Etter

 

 

Beziehungen zu Appenzell bestanden schon früher. Heinz Biglers Gotte war die Frau des damaligen Landammannes Reymond Broger. Er hatte als Kind seine Ferien oft in Appenzell verbracht und dabei Land und Leute kennen und schätzen gelernt. Als er dem Angebot in den frühen siebziger Jahren nachging – es herrschte eine horrende Lehrerknappheit-, war die Sache, nachdem Gespräche mit Reymond Broger, Peter Eichroth, dem Präsidenten der Sekundarschulkommission, und Emil Sutter, dem Schulkassier, geführt worden waren, schnell klar und das Notwendige geregelt. Heinz Bigler nahm seine Arbeit im Januar 1972 auf und blieb ihr ein Arbeitsleben lang treu. Mit dem Beginn des Schuljahres 1972/1973 kam die Eröffnung der Gringel-Turnhalle, die vorzügliche Bedingungen für einen neuen und innovativen Sportunterricht bot. Er habe, sagt Heinz Bigler, ein, zwei Jahre bleiben wollen, um sich dann weiter umzutun. Aber es kam anders.

Ideale Kombination

Da kam dieser Anruf vom FC St. Gallen und damit das Angebot, er sei zum Mitspielen eingeladen. Dieses konnte nicht ausgeschlagen werden, zumal Heinz Bigler kein Unbekan-nter war. Man wusste natürlich, dass er für YB gespielt hatte und man wusste um seine fussballerischen Qualitäten. Das konnte man sich, die Geschicke des FC St. Gallen lenkend,  natürlich nicht entgehen lassen. Und so kam es wiederum, dass Heinz Bigler im grünen statt im gelben und in weissen statt  wie damals üblich in schwarzen Fussballschuhen, wie Fredi Kurth vermerkt, für den FC St. Gallen auf dem Rasen herumrannte. Das alles ergab für die Schulgemeinde Appenzell, den FC St. Gallen und Heinz Bigler eine ideale Kombination, die den Berner weiter und stärker an die Ostschweiz band. 1981 erfolgte die Heirat mit Christa Dörig, was weitere Bindungen schuf. Dieser Ehe entsprangen die mittlerweile ausge-flogenen Söhne Oliver, Mike und Robin.

Arbeitszufriedenheit
„Meine Priorität im Sportunterricht“, sagt Heinz Bigler, „war immer die, den Schülerinnen und Schülern die Freude am Sport nicht zu nehmen, sondern diese sorgfältig zu bewahren. Nebst Leichtathletik und Geräteturnen habe ich immer reichlich Zeit zum Spielen gegeben, damit Kinder und Jugendliche ihre überschüssige Energie ausleben konnten. Auch das Spielen muss man lernen und lehren. Da geht es darum, zu einer vernünftigen Fairness zu finden und den sportlichen Geist zu pflegen, Sozialkompetenzen einzuüben und zu lernen, mit Entscheidungen, die einem nicht gefallen, Misserfolgen und Niederlagen umzugehen. Über all die Jahre hinweg bin ich mit Schülerinnen und Schülern immer offen und ver-trauensvoll umgegangen. Ich habe einen seriösen Sportunterricht angeboten, dabei aber nie vergessen, dass auch Freude und Spass mit Sport und Spiel verbunden sein müssen. Dass das richtig war, wird mir in Gesprächen mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern oft bestätigt. Die meisten sind immer gern zu mir ins Turnen gekommen. Auch in den Lehrerteams, in die ich eingebunden war, fühlte ich mich absolut akzeptiert und angenommen, und man hat mir zugehört, wenn ich die Angelegenheiten meines Fachs vertreten habe. Zurückblickend darf ich sagen, dass ich mit meinem Beruf immer zufrieden war. Er hat mich kein bisschen müde gemacht. Für mich war Appenzell eben ein Glücksfall, und ich hoffe, dass es umgekehrt auch  so war. Und auch sonst konnte ich mitreden und mitgestalten. 1973 kam das Hallenbad. Ich war dreissig Jahre im Verwaltungsrat und half, die erste gemischte Sauna in Appenzell gegen Widerstände, die sich dann allerdings schnell gelegt haben, zu etablieren. Von 1996 bis 1998 konnte ich an der Gestaltung der Sporthalle auf der Wühre mitwirken und ein paar Jahre später bei den zu realisierenden Aussenanlagen. Dabei habe ich immer gesagt, was ich denke und meine Sache vertreten. Ich bin halt ein bisschen ein anderer Typ als jener, den man in Lehrerzimmern manchmal antrifft. Ich bin ein überzeugter Optimist, und das spiegelt sich in einem gesunden und zuversichtlichen Realismus. Aber nun ist es wohl wirklich an der Zeit, ans Aufhören zu denken. Unlängst kam ein Mädchen aus einer zweiten Primarklasse zu mir und sagte, es müsse mir Grüsse von seiner Grossmutter übermitteln, denn diese hätte auch schon bei mir Turnen gehabt.“ Das ist schade, weil Heinz Bigler in den Teams, in denen er mitgestaltet und mitgeredet hat, eine Lücke hinterlassen wird. Er war stets imstande – oft mit einem lockeren und humorvollen, träfen Spruch -, die Schulhausteams auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, konstruktive Lösungsvorschläge einzubringen und Probleme taktisch klug, quasi eben „fussballerisch“ anzugehen. So hat er – im übertragenen Sinne – auch nach seiner Fussballerkarriere noch manch überraschendes und willkommenes Tor in treuem und loyalem Dienst an Sache und Schule geschossen.

Und die Zukunft?
Ich weiss nicht, ob ich jetzt ein bisschen zündeln soll, wie immer wenn wir uns am Tisch im Lehrerzimmer oder zwischen Tür und Angel im Schulhaus gesehen haben, und zum Beispiel sagen: „Aha, und jetzt vertauscht du einfach den Schul- und Fussball- mit dem Golfrasen, Hauptsache, das Zeug ist grün.“ Aber er hat – das ist wieder typisch – den Angriff erwartet, kommt mir zuvor und wirft ein: „Golf ist für mich etwas absolut Faszinierendes. Man hat das Gefühl, man könne es, und dann kann man es eben doch nicht. Und auch gesellschaftlich ist das spannend. Man lernt neue Leute kennen, hat interessante Begegnungen und auf der ganzen Welt bilden sich Freundschaften. Zudem gibt es eine Anfrage, ob ich eine Aufgabe im Schweizerischen Golfverband übernehmen wolle. Ich mache mir keine Sorgen. Die Zukunft lasse ich einfach auf mich zukommen, wobei ich natürlich nicht weiss, ob genug Zeit für alles da ist, was ich im Sinn habe. Aber auf jeden Fall werde ich es geniessen. Ich freue mich zum Beispiel auch darauf, zu Unzeiten in die Ferien zu gehen und nicht dann, wenn das alle anderen auch tun, weil gerade Schulferien sind. Das werden wir geniessen, meine Frau und ich. Im Blick zurück möchte ich noch sagen, dass das Einvernehmen mit dem Schulrat, Kolleginnen und Kollegen immer gut war. Das war für mich ein ganz wichtiger Punkt fürs Wohlbefinden.“

Wir danken
Der Schulrat Appenzell möchte sich bei Heinz Bigler für seine grossartigen Leistungen im Dienste unserer Schulen ganz herzlich bedanken.Nach über 40 Dienstjahren geht eine Persönlichkeit verdient in den Ruhestand, welche die Schulgemeinde Appenzell wesentlich mitgeprägt hat. Heinz Bigler hat unseren Kindern während Jahren die Motivation zur Bewegung, die Regeln zu unterschiedlichsten Spielarten und Formen beigebracht. All dies konnte er mit einer anscheinenden Leichtigkeit tun: Heinz Bigler konnte sein Hobby, seine Berufung zum Broterwerb machen. Ausserhalb der Beschäftigung als Sportlehrer hat es Heinz Bigler hervorragend verstanden, zwischen Schülern oder Lehrkräften zu vermitteln und die Ärgernisse mit einer sportlichen Betätigung dann wieder beiseite zu stellen. Sein Engagement im Umgang mit Jugendlichen und Lehrkräften verdient einen grossen Dank.Unsere Aufgabe wird es sein, das Lehrerteam nach Kräften zu unterstützen und so die Weiterführung des Sportunterrichts auch ohne ausgebildeten Sportlehrer sicherzustellen. Wir sind glücklich, dass Heinz uns bei Bedarf unterstützen würde. Wir wünschen Heinz Bigler und seiner Familie für die Zukunft viel Gesundheit, Spass und Erfolg bei seinen zahlreichen Hobbies und anderen Tätigkeiten.
Schulrat Appenzell



10.6.2014
Sekschüler übten Kunst der Radierung
Lilly Langenegger vermittelte Mädchen und Burschen des Wahlfachs Zeichnen der dritten Klassen der Sekundarschule Appenzell die alte Technik der Kaltnadel–Radierung. Die entstandenen Werke werden über den Sommer in Detailgeschäften in Appenzell ausgestellt.

 

Die Idee für den Workshop Radierungen sei ihr gekommen, als sie die 134 Radierungen von Günter Grass, die noch bis Mitte Juni im Museum Liner ausgestellt sind, gesehen habe, sagte Lilly Langenegger im Schulzimmer von Sekundarlehrer Emil Hehli. Von den Jugendlichen hatte noch niemand die Ausstellung besucht. Die 70–jährige Künstlerin ist bekannt für ihre erzählerische Bauernmalerei und Bilderbücher, praktiziert aber seit Jahren auch die Kaltnadel–Technik. Schon die grossen Meister wie Rembrandt, Goya, Rubens Dürer oder auch Picasso waren fasziniert von der Möglichkeit ihr Werk zu vervielfältigen. Neben der Lithografie ist das Tiefdruckverfahren Radierung die meist verwendete Technik zur Herstellung künstlerischer Druckgrafiken.

Annäherung an eine alte Technik
Radierungen sind eine Methode aus dem 16. Jahrhundert, erfuhren die Burschen und Mädchen des Wahlfachs Zeichnen der dritten Sekundarklassen. Lilly Langenegger führte am Donnerstag Vormittag mit ihnen einen Workshop zu Kaltnadel–Radierungen durch. Die 14 Schülerinnen und Schüler machten sich bereits zuvor in drei Lektionen unter Anleitung einer Praktikantin mit der Technik vertraut: Sie übertrugen Skizzen von mechnischen Wesen mit Nadeln auf Plastikstücke. Mit Druckerfarbe wurden die Zeichnungen abgezogen, danach zerschnitten, mit metallischen Farben weiter verarbeitet und collagenartig neu zusammengesetzt. Die Resultate sind beeindruckend. Unter der Anleitung von Lilly Langenegger kratzten sie nun ihre Entwürfe auf die Rückseite von alten Kupferplatten, die die Künstlerin nicht mehr braucht. Der Begriff Radierung kommt vom lateinischen «radere» und meint kratzen, entfernen, wegnehmen.

Mit Kraft und Übung
Dem Kurs mit den Sek–Schülern lag die Idee zugrunde, Bilder für Geschäfte im Dorfkern zu schaffen: zum Beispiel eine Rose für einen Blumenladen, ein Kleidungsstück für den Jeans–Shop, einen Käselaib, Highheels, eine Handtasche. Auch die Journalistin bekam ein Kupferstück vorgelegt und ein Kratzinstrument in die Hand gedrückt. Nach kurzer Zeit schmerzten meine Finger. Ich hatte zuviel Druck auf die Stahlnadel ausgeübt. Erst nach und nach entdeckte ich, dass ich wie beim Zeichnen mit einem harten Bleistift den zuvor skizzierten Linien nachfahren kann. Schwierigkeiten bereiteten mir die Rundungen des Ornaments oder einen geraden Strich zu ziehen. Die Kursleiterin beruhigte mich und die Schüler, «bei einer Radierung darf manches krumm sein».Auf die Kupferplatten wurde danach Farbe aufgebracht, mit einem Lappen die Farbe auf der unverletzten Oberfläche wieder abwischt. Nur die gekratzen Linien tragen Farbe. Durch Aufpressen eines angefeuchteten Papiers wird die Farbe daraus wieder herausgesaugt und das Motiv erscheint spiegelverkehrt auf dem Papier. Im Keller der Sekundarschule in der Hofwies stand dafür eine Walzendruckpresse bereit. Die Werke der Schülerinnen und Schüler können über den Sommer in den Schaufenstern und Läden der Appenzeller Detailhändler bewundert werden.

Lilly Langenegger «on tour»
In den nächsten Wochen kann man Lilly Langenegger im ersten Stock über dem «Aaliechtli» am Sternenplatz (ehemals Restaurant Traube) jeweils freitags und samstags zusehen, wie sie radiert und malt. Ausserdem ist sie von Juni bis Dezember mit ihrer Kunst und musikalischer Begleitung in der Ostschweiz «on tour».

28.5.2014
Drei Klassen gewinnen Preise
18 Innerrhoder Schulklassen haben seit letztem November am «Experiment Nichtrauchen» der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention teilgenommen. - GSD



Bei diesem schweizweiten Wettbewerb verpflichten sich Schulklassen, während mindestens sechs Monaten gänzlich (Kategorie A) oder mit ganz wenigen Ausnahmen (Kategorie B) auf den Tabakkonsum in Form von rauchen, schnupfen oder kauen zu verzichten. 2013/2014 haben aus der ganzen Schweiz rund 2784 Schulklassen teilgenommen. Davon haben überdurchschnittlich viele Klassen, nämlich 70 Prozent, den Wettbewerb erfolgreich beendet.
Unter jenen, die durchhalten, verlost die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention 100 Reisegutscheine in Höhe von 500 Franken (Kategorie A) und 250 Franken (Kategorie B). Zudem verlost die Kommission für Gesundheitsförderung des Kantons Appenzell Innerrhoden Barpreise von 300 Franken (Kategorie A) bzw. 200 Franken (Kategorie B).
15 der Innerrhoder Klassen haben durchgehalten und drei davon konnten nun zu ihrer grossen Freude einen Preis entgegen nehmen. Jenen Innerrhoder Klassen, die es ebenfalls geschafft haben, im letzten halben Jahr rauchfrei zu bleiben, und denen kein Preis zugelost wurde, erhalten privat gespendete Anerkennungspreise von 150 Franken je Klasse.

9.4.2014

Ausflug ins Land der aufgehenden Sonne

Am letzten Freitag hat die Sekundarschule Appenzell einen Kulturtag zum Thema Japan durchgeführt.

Die Schülerinnen und Schüler des dritten Jahrganges haben einmal im Schuljahr die Aufgabe, einen Kulturtag für die ersten und zweiten Klassen auszurichten. In diesem Jahr wurden unter der Ägide der Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer und unter Zuzug einiger Kräfte von aussen acht Workshops zum Thema «Japan» erarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klassen absolvierten in Kleingruppen von etwa zehn Leuten zwei Workshops und besuchten alternativ am Morgen oder am Nachmittag eine aufwendig gestaltete High Definition Multimediashow. Aktueller Anlass des Kulturtages sind 150 Jahre diplomatische Beziehungen der Schweiz mit Japan.

Mit der Überwindung des Dualismus von Körper und Geist hat sich die japanische Kultur eine grosse Aufgabe aufs Panier geschrieben. Es ist ein völliger anderer Lebensansatz als der abendländische. Eine Menge besonderer und – von aussen wie innen gesehen – faszinierender Vorlieben, Haltungen und Beschäftigungen, die sich geheimnisvoll ausnehmen wie unlesbare japanische Schriftzeichen, resultieren daraus. Die von den Schülerinnen und Schülern der dritten Klassen vorbereiteten Veranstaltungen, acht insgesamt, liessen sich von diesen Haltungen und Vorlieben leiten und führten Teilnehmerinnen und Teilnehmer recht nah an die Geheimnisse der verborgenen japanischen Lebenswelten heran. Es war von Beginn an schon klar, dass die Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klassen wirklich spürten, dass es hier Neues und Unbekanntes zu ergründen und zu entdecken gab. Die Inhalte der Angebote waren Sushi, Judo, Origami, Body Painting, Glückslaternen, Jin Shin Jyutsu, eine kurze Einführung in die japanische Sprache und Kalligraphie, ein buntes Kaleidoskop von Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit einer fremden und noch immer geheimnisvollen Kultur. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler zeigten sich äusserst interessiert und beschäftigten sich geistig, körperlich und handwerklich mit den angebotenen Themen und ihren Tücken und stiessen dabei manchmal auch an Grenzen.

Schüler in der Lehrerrolle
Die Schülerinnen und Schüler, die die Workshops vorzubereiten hatten, fanden sich in einer ihnen unbekannten Rolle, in der der Lehrkraft, die eine Klasse zu führen und Inhalte zu vermitteln hat. Da tauchten schnell Nöte und Fragen auf: Sind wir genügend vorbereitet? Reicht aus, was wir getan haben? Kommen wir über die Runden oder geht uns der Stoff aus? Funktioniert das alles überhaupt? Machen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit oder lassen sie uns einfach im Regen stehen? Das sind, gerade für Jugendliche, die vor dem Schulschluss und dem Übertritt ins Berufsleben stehen, gute und wertvolle Erfahrungen, weil sich auf einmal die andere Seite zeigt und so Verbindendes schafft zu jenem Berufsstand, der tagtäglich im Schulzimmer sein bestes zu geben versucht und es dabei nicht immer einfach hat. Nach meist zögerlichem und etwas scheuem Beginn kamen die Lernveranstaltungen ins Laufen, zeitigten irgendwann Ergebnisse, die man präsentieren konnte. Ein gutes Gefühl zum Beispiel für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops zur japanischen Kalligraphie. Sie lernten, ihre Namen in japanischen Schriftzeichen mit einem Pinsel auf Papier aufzumalen. Andere sahen sich plötzlich imstande, auf japanisch bis zehn zu zählen oder erfuhren, wie aufwendig und anspruchsvoll die Zubereitung von Sushi sein kann. Auch gesundheitlichen Aspekten ging man nach. Das tat der Workshop, in dem es um Jin Shin Jyutsu und damit um die Harmonisierung der Lebensenergie ging, was man mittels einer Art Akupressur von Finger und Zehen erwirkt und zu jeder Zeit und an jedem Ort anwenden kann. Andere bastelten Glückslaternen, beschäftigten sich mit dem Falten von Papieren zu Gegenständen und Tieren, bemalten sich oder taten erste Schritte im Judo. Auf jeden Fall schufen die Workshops ganz spontan vielfältige Zugänge zur japanischen Kultur.

Stimmige Reise durch Japan
Die High Definition Multimediashow, gestaltet vom Tiroler Reisefotografen Marcus Haid, nahm Schülerinnen und Schüler sowie die anwesenden Lehrkräfte auf eine fantastische Reise durch Japan mit. Haid kombiniert auf raffinierte Weise einzelne Bilder, Serien von Fotos und kurze Filmsequenzen zu einem Ganzen, das dann eine Aussage über das Thema macht, dem man sich gerade zuwendet. Damit bleibt die Show immer im Fluss und schreitet fort, ohne sich von irgendetwas zwingen oder ablenken zu lassen. Unterlegt ist die Show mit traditioneller und moderner japanischer Musik. Musik, Bilder und die Stimme des Kommentators, der im Kimono angetreten war, ergaben so nach und nach eine Reise durch Japan. Und hin und wieder war es so, als sei man selber dort und schaue sich in diesem Land um. Haid führte aus, Japan befinde sich an vorderster Front, was die Technologie anbelange, sei aber zugleich in Jahrhunderte alten, bis heute gepflegten und gehüteten Tradition ganz fest verwurzelt. Japan erscheint als ein spannendes Land manchmal schier ungeheurer Gegensätze, wenn man Moderne und Tradition und den Bildern, die sie schöpfen, nachspürt. So führte die Reise vom Schrillen der Jugendkultur der Grossstädte ins Beschauliche und Besinnliche der ländlichen Gegenden des Nordens und schliesslich, wie Haid sich ausdrückte, ins japanische Alaska, wo sich Braunbären ungestört in den Nationalparks umtun. Um sich fortzubewegen, nimmt man, so Haid, am besten die legendären Hochgeschwindigkeitszüge, die mit über vierhundert Stundenkilometern durch die Landschaft und von Stadt zu Stadt flitzen. Die in einer Parallelwelt lebenden Geishas lebten auf, die Samurai, die Teezeremonie, die Feste des Volkes, die Schönheit der Kirschblüte, und irgendwann verwob sich alles zu einem dichten Netz von Bezügen und Eindrücken, so dass die Faszination dieses von Marcus Haid während Monaten bereisten Landes zum Vorschein kam und alle Anwesenden in ihren Bann zog. Der Japan–Tag der Sekundarschule Appenzell wurde zu einem Erfolg. Die Multimediashow vertiefte die in den Workshops gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen, und man darf behaupten, dass am Ende des Tages jede Schülerin, jeder Schüler und wohl auch viele Lehrkräfte mehr über dieses immer noch geheimnisvolle Land wussten als am Morgen, als sie zur Schule kamen. Vielleicht zieht es den einen oder anderen tatsächlich einmal nach Japan.


25.2.2014

Grosseinsatz für Menschen mit Handycap

Sekmädchen aus Appenzell nähen 60 Fasnachtskostüme

Die Gruppe "Erscht–Rächt" wird dieses Jahr ihre bevorstehende Chinareise durch die Fasnacht tragen ? dank Rita Neff und ihren Schülerinnen.

Spontan erklärte sich Rita Neff bereit, mit ihren Schülerinnen, die das Freifach «Textiles Werken» besuchen, Fastnachtskleider für die Musikgruppe «Erscht–Rächt» herzustellen. An vier Halbtagen nähten die elf Schülerinnen der 2. und 3. Sek. nicht weniger als sechzig Kostüme. Es war für sie spannend, machten sie doch die Erfahrung, was es heisst, wie an einem Fliessband zu arbeiten und gemeinsam einen sozialen Einsatz zu leisten. Zum Schluss durften sie erleben, mit welcher Freude Sarina, Céline und Cornel die Kleider anprobierten. Der Lohn für die Schülerinnen wird sein, ihr Werk am Fastnachtsumzug in Appenzell betrachten zu können.