12.05.1997 © Appenzeller Tagblatt


«Wir lernten uns kennen und verstehen»

Die Anregung kam von den Erziehungsdepartementen beider Appenzell: Schülerinnen und Schüler von Inner- und Ausserrhoden sollen im Jubiläumsjahr der 400jährigen Trennung der beiden Kantone eine Annäherung wagen. Die Idee war gut. Appenzeller und Teufner Sekundarklassen haben sich geschrieben, sind zusammen gewandert, haben gepicknickt und Sport getrieben und haben sich zu Hause besucht. Begonnen haben die Kontakte damit, dass sich alle Sekundarschülerinnen und -schüler aus Appenzell in einem Brief vorgestellt haben. Sie formulierten ihre Hobbys und Träume, ihr familiäres Umfeld und ihre Zukunftspläne, ihre Zu- und Abneigungen. Diese Briefe wurden von den Klassen 3b und 3c in Teufen mit Spannung erwartet Per Los wurden die Pärchen gebildet, und umgehend konnte damit begonnen werden, die Briefe zu beantworten und sich selbst den Innerrhoder Partnerinnen und Partnern vorzustellen. Die Scheu legt sich allmählich Der erste Kontakt erfolgte am 25. Februar in Schlatt, das beide Schulen zu Fuss erreichten. Einige kannten das zu suchende Gesicht bereits durch gegenseitig zugesandte Passfotos, andere hatten mehr Mühe, sich ihren Partnerinnen und Partnern zu nähern. «Ein bisschen scheu waren wahrscheinlich alle. Vor allem für die Knaben war es wahrscheinlich ein Problem, aufeinander zuzugehen», meint rückblickend Daniela Rechsteiner aus der Appenzeller 3. Sek. Beim gemeinsamen Mittagessen im Restaurant Anker in Unterschlatt war die Stimmung allmählich gelöster. Man stellte sich einander näher vor, und insgeheim bangte man auf das Nachtessen , das bei sich zu Hause oder beim Partner stattfinden sollte Wie wohnt mein Partner, wie reagieren Eltern und Geschwister, was soll man tun in der Wohnung? In der Zwischenzeit allerdings waren sowohl in Teufen wie in Appenzell Rundgänge und Quiz angesagt, die mit dem allmählich vertrauteren Kollegen oder der Kollegin absolviert werden mussten. In Teufen bildete der Jugendtreff einen idealen Unterschlupf, sich im geschützten Rahmen der Gruppe bei Spiel und Musik näherzukommen. In Appenzell war das Tennis- und Squashcenter für viele der Treffpunkt.

Auf dem Gäbris
Vierzehn Tage später erfolgte das zweite Treffen, diesmal auf dem Bahnhof in Gais. «Diesmal war alles viel lockerer», meint Hilde Fässler. «Man sagte dem Partner schnell Hallo und redete miteinander. Auch lernte ich auf der Wanderung auf den Gäbris die andern kennen.» Bei herrlichem Wetter wurde oben auf dem Gäbris grilliert. Fotos wurden ausgetauscht und «Dialektstudien» betrieben. «Sie haben uns manchmal nicht verstanden, wenn wir z.B. sagten oder », bemerkt Caroline Graf aus Innerrhoden.

Sport um Schluss
«Als wir Fotos anschauten, fragte meine Partnerin, was Erstkommunion und Firmung bedeutet. Da habe ich den Unterschied zwischen den beiden Religionen realisiert.» Zum Nachtessen wurde Gegengastrecht gehalten zu Hause bei der Partnerin oder dem Partner . Den Abschluss der Begegnungen bildete am vergangenen Dienstag ein Spielturnier in der Landhaussporthalle in Teufen. Sieben Mannschaften haben sich für Hallenhockey eingeschrieben, zwei für Basketball. Während zweieinhalb Stunden wurde in gemischten Mannschaften gekämpft und um den Sieg gerungen. Schülerinnen und Schüler äusserten sich sehr positiv, neue Kolleginnen und Kollegen kennengelernt zu haben. Gewisse Kontakte werden bestimmt weiterbestehen, auch wenn eine Schülerin aus Appenzell festgestellt hat: «Wir verstanden die Teufner besser als sie uns.»

Armin Loop


26.05.1997 © Appenzeller Tagblatt


Postenlauf und Treffen in der Disco

Begegnungstage zwischen Sekundarschüler aus Herisau und Appenzell

Die Erziehungsdirektionen der beiden Kantone Appenzell haben die Möglichkeit geschaffen, dass im Gedenkjahr «400 Jahre Landteilung» Schülerinnen und Schüler aus Inner- und Ausserrhoden einander begegnen können. Am letzten Freitag waren nun Herisauer Sekundarschüler mit Erkundungsbogen in Appenzell unterwegs.

Ralph A. Ottinger

Bereits eine Woche vor Pfingsten wanderte die Sekundarklasse 1c aus Appenzell auf die Hundwilerhöhe, um dort ihre Schulkameraden aus Herisau zu treffen und mit ihnen zu picknicken. Dann zogen beide Klassen zur Station Zürchersmühle, um von hier aus mit der Bahn nach Herisau zu fahren. Die dortigen Sekundarschüler liessen dann die Kameraden aus Appenzell mit einem Postenlauf ihren fast städtischen Ort erkunden.

Gegenbesuch in Appenzell
Am letzten Freitagvormittag nun trafen die Herisauer Sekschüler per Bahn in Appenzell zu einem Gegenbesuch ein. Auch hier war ein interessanter Postenlauf vorbereitet worden, den sie zusammen mit ihren Innerrhoder Altersgenossen zu absolvieren hatten. Sekundarlehrer Joe Manser, Klassenlehrer 1c, hatte ihn vorbereitet und die «Erkundungsbogen» mit den vielen Fragen erstellt. «Bitte unbedingt folgendes beachten», hatte er zu den Hinweisen für die Arbeit mit den Erkundungsbogen geschrieben: «Auch Personen können um Auskünfte gebeten werden, aber nur solche, die man auf der Gasse, im Freien antrifft. Keinesfalls also Auskünfte einholen in Läden, Geschäften, Tourismusbüro, Kiosk usw.» Doch das hinderte einige clevere Schüler nicht daran, mit ihren Papieren schnurstracks das Tourismusbüro aufzusuchen; allerdings kamen sie auch sehr schnell wieder heraus.

Was ist hier falsch?
Unterwegs erhielten die Schülerinnen und Schüler sehr viele Auskünfte durch die Tafeln, die überall an den historischen Gebäuden angebracht sind. Doch das war nicht alles, denn auch die Beobachtungsgabe wurde herausgefordert, zum Beispiel mit den Fragen «Was ist bei dieser Zeichnung nicht richtig?» oder «Was stimmt an dieser (auf dem Bogen gezeichneten) Häuserreihe nicht?». Eine weitere Aufgabe lautete: «Zwischen den Fenstern im ersten Stock findet man eine Inschrift. Notiere sie hier.» Und die Übersetzung von «una ex illis tua ultima» konnte nur von Sprachkundigen erfragt werden.

«Wahr oder gemogelt?»
Ein weiterer gelber Bogen stellte 30 Behauptungen auf, verbunden mit den Entscheidungsfragen zum Ankreuzen: «Wahr oder gemogelt?» Als Leitfaden wurde nur angegeben, dass zwölf Feststellungen gemogelt seien. Als Beispiele seien hier genannt: «Eine Original Appenzeller Streichmusik setzt sich zusammen aus: zwei Geigen, Hackbrett, Handorgel, Cello, Bassgeige.» Oder: «Der weltbekannte Schriftsteller Ephraim Kishon hat Wohnort und Schriften seit Jahren in Appenzell.» Die 31. Feststellung schliesslich lautete: «Ich gehe gerne in die Sek.» - Wahr oder gemogelt?

Disco zum Abschluss
Der Nachmittag stand ganz für die persönlichen Kontakte der einzelnen Schülerinnen und Schüler zur Verfügung. Um 17 Uhr waren dann alle Schülerinnen und Schüler zur grossen «Begegnungsparty» in der Hofwiesehalle mit einer «400-Mega-Disco» eingeladen. Doch es gab dann keine «Begegnungsnacht» mehr, denn bereits um 22.01 Uhr hiess es für die Herisauer am Bahnhof: «Appenzell ab!»

 


08.12.1997 © Appenzeller Tagblatt


Start mit Rekord-Schülerzahl

Mitteilungen der Sekundarschule Appenzell zum Schulanfang

Appenzell

Am kommenden Montag beginnt die Sekundarschule Appenzell ihr neues Schuljahr, und zwar für die Zweit- und Drittklässler schon um 7.30 Uhr stundenplanmässig, also mit allen Pflicht- und Wahlfächern. Die neu eintretendenErstklässler aber treffen am erstenSchultag erst auf 8.15 Uhr in der Sekundarschule ein. Sie besuchen ihre erste Schulstunde bei ihrem neuen Klassenlehrer.

Eine Klasse mehr
Die Sekundarschule Appenzell zählt im neuen Schuljahr 298 Schüler, soviele wie nie mehr seit 1983 (damals waren es 299 Sekundarschüler). Die 131 Knaben und 167 Mädchen verteilen sich auf die drei Jahresklassen mit ihren 13 Parallelklassen wie folgt: 1. Klasse, 103 Schüler (4 Parallelklassen); 2. Klasse, 115 Schüler (5 Parallelklassen); 3. Klasse, 80 Schüler (4 Parallelklassen). Überraschend hoch ist vor allem die Zahl der diesjährigenDrittklässler. Darum ist es - zum ersten Mal wieder seit dem Schuljahr 1990/91 - nötig geworden, die dritte Sekundarklasse vierfach zu führen. Gegenüber dem letzten wird also im nächsten Schuljahr eine Klasse mehr geführt.Trotzdem genügen für die Erteilung der dadurch anfallenden zusätzlichen Lektionen die schon bisher angestellten Lehrkräfte. Der ab August 1997 neu eingeführte Lehrplan macht dies möglich.

Tastaturschreiben
Im Rahmen des neuen Lehrplans bringt das nächste Schuljahr einige weitere Neuerungen: In den ersten Klassen wird als obligatorisches Fach neu «Tastaturschreiben» mit zwei Wochenlektionen unterrichtet. In den zweiten Klassen findet während eines Semesters für Knaben und Mädchen das neue Pflichtfach «Hauswirtschaft/Kochen» statt. Die Schüler-Einteilungen für die neuen ersten Klassen, die Stundenpläne und alle Einteilungen in die verschiedenen Wahlfachgruppen sind ab Mittwoch, 13. August, im Schulhaus Hofwiese 1 angeschlagen.Dort können sie am Mittwoch, Donnerstag und Samstag jeweils zwischen 9 und 18.30 Uhr eingesehen werden. Für Schüler, die während der Mittagspause nicht nach Hause gehen können, besteht die Gelegenheit zu einer Mittagsverpflegung im Gringel, und zwar schon vom ersten Schultag an. Für dieses Mittagessen ist eine Anmeldung erforderlich (Schulverwaltung Appenzell, Telefon 788 18 88, bis spätestens Donnerstagabend 18 Uhr).

Probezeit
Alle Erstklässler haben an der Sekundarschule eine Probezeit zu bestehen. Sie dauert elf Wochen, also in diesem Jahr bis zum 15. November. Sie soll zeigen, ob ein Schüler den Anforderungen der neuen Schulstufe gewachsen ist. In dieser Probezeit herrscht der übliche Schulbetrieb mit der gleichen Aufgabenmenge und Arbeitsbelastung wie nachher, d.h. während der ganzen Sekundarschulzeit. Die Probezeit hat bestanden, wer in den FächernDeutsch, Französisch, Mathematik und Realien (Geschichte, Geografie, Biologie und Physik) einen Durchschnitt von 4,0 erreicht. Der Schulbehörde und allen Lehrern liegt viel an einem guten Kontakt mitdem Elternhaus. Im Laufe der ersten drei Wochen werden für die Eltern aller neuen Erstklässler Elternabende abgehalten. Die Eltern mögen sich aber auch sonst bei allfällig auftretenden Fragen oder Schwierigkeiten an den Lehrer oder an denVorsteher der Schule (Johann Manser, Unterrain 40, Appenzell) wenden.mj.

 


03.10.1997 © Appenzeller Tagblatt


Erlebnisse für Grossstadtkinder

Drei Klassen der Schweizerschule Rom zu Besuch im Appenzellerland

Eine Woche lang erlebten 47 Grossstadtkinder aus Rom ein Stück Natur im Appenzellerland. Trotz einem vollen Programm hatten die Schülerinnen und Schüler der Schweizerschule Rom vielfältige Gelegenheiten, um Gleichaltrige aus Trogen und Appenzell kennenzulernen.

Marina Roth

Einer der Höhepunkte des Projektes «Schweizer Woche» war am Donnerstag das Treffen auf dem Gäbris. Die drei Klassen der Schweizerschule Rom und ihre Partnerklassen aus Trogen und Appenzell sangen und spielten ausgelassen, nachdem sich alle nach einer Sternwanderung auf dem Gäbris eingefunden hatten. Mit auf dem Ausflug waren auch der Direktor der Schweizerschule, Marc König, und Landammann Hans Ulrich Stöckling. Der St.Galler Erziehungschef vertrat den Kanton, der für die Schweizerschule als Patronatskanton das Lehrprogramm liefert und die Privatschule in Rom als «kantonale Mittelschule» führt. Beaufsichtigt und subventionier t wird die Schweizerschule durch die Eidgenossenschaft.

Volles Programm
Die Schülerinnen und Schüler liessen sich vom offiziellen Besuch nicht ablenken, sie waren mit sich und ihren Spielen beschäftigt. Seit ihrer Ankunft in Trogen am Sonntag hatten die 11- bis 14jährigen Schüler aus Rom ein intensives Programm. Die «3. Media», die einer 2. Sekundarklasse entspricht, waren im «rollenden Klassenzimmer» der Appenzeller Bahnen auf der Strecke zwischen Gossau und Appenzell einquartiert. In zwei umgebauten Güterwagen wurde übernachtet und auch gewohnt. Ihre Partnerklasse war die 2. Sek aus Appenzell, mit denen sie sich regelmässig austauschten. Die Jüngeren aus der 1. und 2. «Media» wohnten mit ihren Lehrern im Pestalozzidorf Trogen. Mit ihren jeweiligen Partnerklassen, der 6. Primar- resp. der 1. Sekundarklasse in Trogen wurden Kontakte geknüpft im gemeinsamen Lernen und Spielen. Auch lernten alle Römer Schüler eine Gastfamilie in Appenzell und Trogen kennen. Ziel der Schweizer Woche ist es, Schülerinnen und Schüler Erfahrungen in den Bereichen Selbst-, Sozial- und Sachkompetenz machen zu lassen. Darin hatten sie reichlich Gelegenheit. Während des Unterrichts mit den Appenzeller Kindern oder etwa beim Melken auf dem Biobauernhof und beim Besuch in den Gastfamilien mussten Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein umgesetzt, aber auch Konflikte gelöst werden.

Ein Stück Freiheit
Wenn die Schülerinnen und Schüler am Freitag wieder mit dem Zug Richtung Rom abreisen, haben sie ein Stück Schweiz, aber auch Freiheiten kennengelernt. Ein Erlebnis für Grossstadtkinder, denen oft Bewegungsmöglichkeiten fehlen und die täglich auf ihrem Schulweg von Erwachsenen begleitet werden müssen.