07.05.1998 © Appenzeller Tagblatt


«Wie habt ihr es mit der Mode in Appenzell?»

Ein bisschen aufgekratzt waren sie schon, etwas nervöser als normal, die 22 Schülerinnen und Schüler der zweiten Sekundarklasse von Thomas Knechtle in Appenzell. Die Spannung stieg, bald war es 7.40 Uhr. Sie waren früher aufgestanden, als sie es sonst an diesem Mittwochmorgen hätten tun müssen. Bald wird das Telefon klingeln und ihnen eine Frage stellen, irgendeine aus der Schweiz im 19. Jahrhundert. Vorher aber hatten Lehrer, Journalist und Fotograf das Zimmer im Hofwiese-Schulhaus zu verlassen. Hilfe von Erwachsenen ist nicht erlaubt.

Im Cupsystem
«History» heisst das «Quiz mit Napoleon und Helvetia» von Radio DRS1, in dem jeweils zwei Schulklassen gegeneinander antreten. Eine Geschichtsfrage wird gestellt. Wer richtig antwortet, hat gewonnen. Sind beide Antworten gut oder schlecht, kommt es zu einer Stichfrage, in der irgendetwas geschätzt werden muss. Wer näher an der richtigen Lösung liegt, kann am kommenden Morgen wieder antreten. Die anderen sind ausgeschieden. So ist das im gnadenlosen Cup-System.

Anreiz zum Lernen
Irgendwann einmal ist die Schülerin Madeleine Koster mit der Idee aufgetaucht, ihre Klasse könne sich doch auch an diesem Quiz beteiligen. Sie waren dafür, der Lehrer einverstanden. Geschichte des 19. Jahrhunderts gehört zum Lehrstoff der 2. Sek», erklärt Thomas Knechtle. «Das Quiz hat natürlich mitgeholfen, dass die Motivation, der Anreiz zum Lernen in diesem Fach grösser ist.» Die Stoffülle ist ungeheuer gross. Und man weiss nicht, aus welchem Gebiet die Geschichtsfrage kommt. Allerdings kann man es ahnen aufgrund der vorangehenden Sendungen. Letzte Woche war der Gotthard an der Reihe, am Montag wurde eine Frage aus dem Gebiet der Mode gestellt. In diese Richtung könnte es gehen. In Arbeitsgruppen hat man sich intensiv vorbereitet: die einen über Eisenbahnen, die anderen über Politik, Industrialisierung, Auswanderung usw. Trotzdem: Das Ganze ist natürlich auch Glücksache. Toitoitoi also!

Nur für breite Türen
Das Telefon klingelt. Madeleine nimmt ab, sie ist die Telefonistin. Moderator Joschi Kühne plaudert irgendetwas von Kleidern. Man scheint also richtig zu liegen. «Wie habt ihr es mit der Mode in Appenzell?» fragt er und Madeleine antwortet: s moss bequem see!» Und dann die Frage: Was ist eine Krinoline? a) ein feiner Stoff; b) ein Unterrockgestell; c) ein Kleid mit Blumenmustern? Recht schnell kommt die Antwort: b! Und der Kommentar: Richtig! Der Jubel ist für die Radiohörer recht laut nachvollziehbar, während der Moderator mit Frau Helvetia witzelt: «Wie sind die Frauen damals nur mit diesen Gestellen aufs WC?» Naja, auf jeden Fall brauchte es breite Türen.

Gepolsterte Hintern
Doch nun entscheidet, was die Schulkinder der 7. Klasse an der Bezirksschule 2a in Rheinfelden machen. Auch sie wissen oder erraten, dass ein «Cul de Paris» kein Korsett und kein enger Rock, sondern ein Kissen am Gesäss der vermutlich reichen und hoffentlich schönen Frauen des letzten Jahrhunderts war. Also muss die Stichfrage entscheiden: Wieviele Meter Stoff wurden verwendet zur Herstellung eines fürnehmen Reifrockes. Zehn Meter, lautete die Antwort aus Rheinfelden, elf glaubten sie in Appenzell.

Näher ist näher
Weit daneben lagen beide, doch im Zeitalter des Minirocks kann ja kein Mensch ahnen, dass damals für so ein Kleid 450 Meter Stoff gebraucht wurden. Ver- rückt, aber erfreulich für die Appenzeller Sek: Elf ist mehr als zehn, näher ist näher, also haben sie gewonnen. Im Radio jubelt es.

Wie einst Napoleon
Heute morgen heisst oder hiess es also nochmals antreten. Und bei Erfolg wieder usw. Seit dem 5. Januar geht es nun bereits so. Und die 19 Klassen, welche bis zum 10. Juli am meisten Runden überstanden haben, sind für die Finalrunden nach der Sommerpause qualifiziert. Am 12. September kommt es dann zum grossen Finale. Und für den Sieger winkt Erfreuliches: Auf zum Goldschürfen nach Kalifornien. Worauf ein Schüler (ganz gemäss Reglement) ergänzt: «Und der Lehrer muss nach St.Helena.» Wie einst Napoleon. Was Thomas Knechtle gelassen kommentiert: «Dort ist es auch schön!»

Toni Dörig

 


18.06.1998 © Appenzeller Tagblatt


Sich den neuen Anforderungen stellen

Die Lehrerschaft des Sekundarschulhauses «Hofwiese» hat zwei Fortbildungstage absolviert.

Teamprojekte brauchen Zeit, bis sie ins Rollen kommen. Lehrkräfte der Sekundarschule Appenzell haben den letzten Freitag und Samstag in Schruns in einem Hotel verbracht, um sich intensiv der schulhausinternen Fortbildung zu widmen. Ein dritter Tag wird im September an einem Samstag folgen.

Hans Jürg Etter

Appenzell. Das Fortbildungsprojekt ist in Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Schulinspektorat entstanden. Das Anliegen, nach neuen Möglichkeiten zu suchen, stiess beim Schulrat Appenzell auf offene Ohren. An der Sekundarschule selbst ist das Projekt während etwa eineinhalb Jahren diskutiert, hinterfragt und modifiziert worden. Es galt, zum Team passende Leiter und Fachleute zu finden. Evaluationsverfahren waren hängig, Psychologen und Soziologen wurden eingeladen, um ihre Ansätze darzustellen und Horizonte für die Zukunft zu umreissen. Das Team der Sekundarschule verwarf mit grosser Mehrheit retrospektive, vergangenheitsbezogene und auf Krisenintervention basierende Modelle sowie psychologische Symptombekämpfungsansätze nach dem Muster: «Sagt uns mal, welche Tassen ihr nicht im Schrank habt. Dann stellen wir sie zusammen wieder rein.»

Zürcher Ressourcenmodell
Viel mehr entschlossen sich Lehrerinnen und Lehrer, heftig und kontrovers diskutierend natürlich, für das Zürcher Ressourcenmodell, einen von Maja Storch von der Universität Zürich und Frank Krause aus Konstanz entwickelten und seit zehn Jahren in Schulen und Industrie erfolgreich praktizierten Ansatz. Die beiden fungierten denn auch als Kursleiter. Das Zürcher Ressourcenmodell, das ZRM im Kürzel, weist gegenüber klassischen Methoden zahreiche Vorteile auf. Es stärkt die Fähigkeit zur Selbstorganisation sowohl in bezug auf die Persönlichkeit wie auch in bezug auf das Ganze des Teams, auf den vier Pfeilern Ressourcenorientierung, Ganzheitlichkeit, Individualität und Praxisbezug ruhend.

In der Tiefe der Persönlichkeit
Das ZRM ist ein dreischrittiges, körperbezogenes Intervalltraining, das komplexe Ziele verfolgt. Es macht unbewusste Inhalte bewusst und verändert damit in der Regel dem Zugriff entzogene Automatismen. Es trainiert die Voraussetzungen zu Verhaltensänderungen, nicht das Verhalten selbst und setzt damit tiefer in der Persönlichkeit an als die meisten herkömmlichen Trainings. Indem es den verschiedenen Persönlichkeiten entsprechende Lösungen zu entwickeln versucht, fördert es die Fähigkeit der authentischen Reaktion, stülpt also niemandem die Narrenkappe über, fordert hingegen die vorgefundene, natürliche Autorität. Das ZRM ist - im Gegensatz zu vielen medizinischen Modellen - nicht der Patho-, sondern der Salutogenese verpflichtet und zeigt die Unerschöpflichkeit des menschlichen Handlungspotentials im Positiven auf. Sein Hintergrund ist eine konsequent konstruktivistische Erkenntnistheorie. Das ZRM ist zukunftsorientiert und damit auch ein optimistisches Modell. In einem ersten Schritt versuchten die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer in ihre persönlichkeitsspezifischen Ressourcenzustände einzutreten, um so die in ihnen wohnenden Kräfte neu und bewusster zu gewinnen. Das Hören auf sich selbst, die eigenen Rhythmen und die Bedürfnisse des Körpers, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Kürzere Wege zum anderen
Über das Finden individueller Ressourcen, über das Gestalten von persönlichen und von Teamlandschaften öffneten sich neue Sichten und Bezüge, machten sich Wege für den einzelnen und das Team als Ganzes frei, wurde klar, von alltäglichen, nicht immer zu vermeidenden Konflikten abgesehen, dass aus dem Vollen geschöpft werden kann, dass ein reicher Schatz von Ideen und Erfahrungen und ein innovativer Geist da ist, dass die Wege zum anderen meist kürzer und gefahrloser zu begehen sind als früher angenommen. Alles in allem stellten sich am Schluss des Kurses optimistische Perspektiven für die Zukunft der Schule und ihrer unmittelbaren Träger ein.

Lehrerrolle hat sich gewandelt
Schulen sind heute anders gefordert als früher. Die Lehrerrolle hat sich in der Schule selbst und in der Öffentlichkeit gewandelt. Obwohl manches schmaler geworden ist, haben die Schulen mehr zu tragen und differenziertere Leistungen als früher zu erbringen. Schulen sehen sich heute oft mit der Forderung nach mehr Transparenz und einer besseren Einbindung in die Öffentlichkeit konfrontiert und müssen damit über sich selbst hinauswachsen. Die in der Sekundarschule Appenzell nun angerissene Diskussion hat als Fernziel die Entwicklung eines Leitbildes, um die vertretene pädagogische Philosophie allen Beteiligten klar zu machen und nach aussen zu tragen.

Erzieherische Verantwortung
Persönlichkeitsentwicklung wird in den Schulen heute gross geschrieben, weil die Schulen neben den genau umrissenen Leistungsanforderungen auch vermehrt in erzieherischer Verantwortung stehen und dem heutigen Wertevakuum Sinnvolles entgegensetzen müssen. Die Pflege der Persönlichkeit ist wichtig, weil Lehrpersonen sich in einem ständigen Energieaustausch mit ganzen Schulklassen befinden und wissen müssen, wie sie dabei im Gleichgewicht bleiben können. Es muss einem Lehrer gut gehen, damit er ein guter Lehrer sein kann. Und es muss den Schülern gut gehen, damit sie gute Schüler sein können. Dass die Lehrerschaft der Sekundarschule Appenzell sich nun mit den ersten zwei schulhausinternen Kurstagen auf den Weg gemacht hat, zeigt den deutlichen Willen, Neues einzugehen und sich stets verändernden Anforderungen zu stellen.

 


29.06.1998 © Appenzeller Tagblatt


Lernen, mit den Lebensmitteln umzugehen

Was Schüler und Schülerinnen in den Fächern Kochen und Hauswirtschaft profitieren können.

An der Sekundarschule Appenzell ist seit einem Jahr der Unterricht in Kochen und Hauswirtschaft wieder zum Pflichtfach geworden. ein Augenschein zum Abschluss des Schuljahres 1997/98 zeigt, dass Schüler und Schülerinnen von diesem Fach einiges profitieren können.

Louise Dörig

Appenzell. Das Obligatorium im Unterricht gilt nur für ein halbes Jahr der 2. Sekundarstufe. In der dritten Sekundarklasse wird Kochen und Hauswirtschaft als Wahlfach angeboten während des ganzen Schuljahres. Für die Realschule gilt, dass während aller drei Jahre der Unterricht je ein halbes Jahr obligatorisch ist. Alle Bestimmungen gelten für Knaben und Mädchen in gleichem Umfang.

Rezepte lesen und umsetzen
Der Augenschein in der 2. Klasse E der Sekundarschule hat gezeigt, dass den Schülern recht viel Spielraum gewährt wird in der Umsetzung der Vorgaben. Die Klasse war aufgeteilt in drei Gruppen, gemischt aus Mädchen und Knaben, die je auf einem Herd das gleiche Menu zu bereiten hatten. Es gab Chili con Carne, zuvor einen Salat und als Nachtisch eine feine Mischung aus zum Teil selbst hergestellter Glace, Erdbeeren und Schlagrahm. Jede Gruppe hatte ein Rezeptbuch vor sich, und da begann bereits ein wichtiger Teil der Kochkunst. Ein Rezept lesen und es in die Praxis umsetzen, das verlangt bereits einiges Vorstellungsvermögen. Lehrerin Marietta Hutter hielt mit Erklärungen bewusst zurück, die Schüler aber diskutierten und einigten sich auf das Vorgehen. Da wird bereits auch das Vorausschauen, das Planen geübt. Denn die Zeiteinteilung ist ebenfalls wichtig: Das Essen soll zur festgelegten Zeit auf dem Tisch stehen.

Sich an Ungewohntes wagen
Einer der Schüler hantierte mit der Kochkelle so gekonnt, dass unschwer darauf geschlossen werden konnte, er übe auch zu Hause. Ja natürlich, und er will auch Koch als Beruf erlernen. Ein Vorteil der Kochschule liegt darin, dass recht oft an Ungewohntes herangegangen wird, während im privaten Haushalt eher auf Bewährtes zurückgegriffen wird. Das wurde durch die Schüler lebhaft am Beispiel Fisch erzählt. Fast alle hatten «gespeuzt» ob der Idee, ein Fischgericht herstellen und essen zu müssen. Und nachher waren alle begeistert. Ungewohntes anpacken und erledigen, das gehört zur Lebensschule. Und in Gruppen vorzugehen, das fördert das Hören aufeinander.

Das Wollschaf «Babe»
Aufräumen und die Küche wieder in Ordnung bringen gehört ebenfalls zum Unterricht. Die Erledigung der verschiedenen Aufgaben verlief ohne lange Diskussionen. Probleme taten sich auf bei der Entsorgung der Küchenabfälle. In erster Linie wird versucht, Abfälle zu vermeiden. Wenn sie aber anfallen, werden sie von den Schülern zum Komposthaufen getragen. Das und auch die Bearbeitung des Haufens zeigte sich als unbeliebteste Tätigkeit. Viel besser wäre doch, so die dezidierte Meinung einer Schülerin, die Speiseresten einem Wollschaf namens «Babe» zu verfüttern.

Mit dem Geld umgehen
Auf die Frage, wer denn das Schaf in den Schulferien betreuen würde, wussten die Schüler eine spontane Antwort: Das würde sicher Frau Hutter an ihrem Wohnort in Meistersrüte machen. Gelernt wird der Umgang mit Lebensmitteln und die Verwendung des saisonalen Angebotes. In der 3. Sekundarstufe wird das Wissen vertieft. Die Auswirkungen der Ernährung auf die Gesundheit werde behandelt, aber auch das Umgehen mit dem vorhanden Geld, das beim Einkauf stark gesteuert werden kann. Die Lehrkräfte sind überzeugt, dass die Erkenntnisse aus dem Unterricht auch auf das allgemeine Verhalten der Schüler einen nachhaltigen Einfluss haben. Mit Geld umgehen und sich nicht jedes Bedürfnis aufschwatzen lassen, kann gelernt werden. Zur Sprache kommen auch weitere Bereiche der Haushaltführung: Einkauf und Behandlung der Kleidungsstücke, Gestaltung einer Wohnung und deren Qualität und Finanzierung.

Wenn das Volk es will
Die Lehrkräfte sind glücklich, ihren Auftrag leisten zu können, dass die jungen Leute auf die Führung eines Haushaltes oder mindestens auf das Verständnis für die anspruchsvolle Arbeit vorbereitet sind. Wäre eine Gruppe von Frauen im vorigen Jahr nicht aus der Bevölkerung breit unterstützt worden bei der Lancierung der «Fastfood-Petition», hätte der Hauswirtschaftsunterricht seine Stellung im obligatorischen Angebot der Oberstufe glatt eingebüsst.

 


30.06.1998 © Appenzeller Tagblatt


«Znüni» am letzten Schulsamstag

Die Zwischenverpflegung für Schulkinder soll gesund sein

Dass eine Zwischenverpflegung für Schulkinder schmackhaft und trotzdem gesund sein kann, das wollten einige Bauernfrauen demonstrieren. Dafür wählten sie den vergangenen Samstag aus: Es war der letzte Samstags-Schultag in Innerrhoden überhaupt. Ab kommendem Schuljahr gilt die Fünf-Tage-Woche.

Louise Dörig

Es traf sich gut: Seit einiger Zeit machten sich einige Innerrhoder Bauernfrauen Gedanken darüber, wie die Schuljugend überzeugt werden könnte, zum Znüni nicht Schoggiriegel oder Ice Tea oder Cola zu kaufen, sondern etwas Gesundes und Hiesiges. Und die Leitung der Sekundarschule Appenzell wollte dem allerletzten schulpflichtigen Samstag im Kanton Appenzell Innerrhoden eine besondere Note verleihen. So ergab sich eine gute Kombination.

«Znüni vo de Büüri»
Die Lehrerschaft bot an diesem Samstag eine verlängerte Znünipause an. Und das Buffet, das die Innerrhoder Bäuerinnen im Foyer des Schulhauses Hofwiese bereitet hatten, war bunt und vielfältig. Selbstgebackene Brot und Kuchen, Mostbröckli aus Eigenproduktion, Gurkenscheiben und halbe Eier gefüllt, aber auch Getränke wie Milch, Pfeffermünztee mit Zitronenmelisse, Joghurt- und Quarkbecher und eine besonders feine Erdbeermilch ergaben eine farbenfrohe und ansprechende Mischung. Soweit möglich wurden einheimische saisonale Produkte angeboten. So standen beispielsweise kein Süssmost und keine Äpfel im Angebot. Die initiativen Bäuerinnen, darunter Ingeborg Schmid, Präsidentin des Innerrhodischen wie auch des Schweizerischen Bäuerinnenverbandes, konnten sich freuen über die Lust, mit der die rund 280 Schüler und zwölf Lehrkräfte das leckere Buffet bereinigten.

Theoretisch ja, aber...
In der Vorbereitungsstufe hatten die Bäuerinnen, allen voran Elsbeth Hautle, in Zusammenarbeit mit der Drogenkommission zwei Fragebogen erarbeitet, einen für Schüler, einen für Eltern. Mit dem Rückfluss von 90 Prozent konnten sich die Fragesteller mehr als zufrieden geben. Aus den Antworten war, vereinfacht zusammengefasst, zu ersehen, dass ein Grossteil der Eltern auf gesunde Ernährung achtet, viele Schüler theoretisch eine gesunde Ernährung befürworten, in der Praxis aber doch ein weisses Bürli bevorzugen. Beim Getränk zur Pause ergibt sich ein ähnliches Bild. Fast die Hälfte der antwortenden Kinder nehmen kein Getränk zu sich, wissen aber, dass Milch oder Mineralwasser mithelfen könnte, dem Leistungsabfall gegen Ende des Vormittagsunterrichtes entgegenzusteuern.

Es soll verankert werden
«Das Znüni vom Bauer, gibt Dir Power und macht Dich schlauer», das ist ein dichterischer Höhenflug von Seiten der Bauernfrauen. Wenn es nach dem Wunsch der Bäuerinnen geht und das Interesse der Schüler sowie das Einverständnis der Lehrerschaft vorhanden sind, soll das Angebot zum festen Bestandteil werden, Nach Möglichkeit wird die Schulanlage Gringel einbezogen. Das wäre ein Dienst an der Gesundheit der Schuljugend. Aus Sicht der Bäuerinnen könnte damit der Direktverkauf gefördert werden an Produkten, die regional vorhanden sind. Der Verkauf sollte für die Bäuerinnen kostendeckend sein. Das dürfte aber kaum zum Problem werden, denn die Beobachtungen zeigen, dass die Schüler ohne weiteres bereit und in der Lage sind, einige Rappen auszugeben. Diese Rappen einer guten Sache zuzuleiten, das wird nun angestrebt. Es wird angenommen, dass die Zustimmung der Schüler zum neuen Angebot am letzten Samstag nicht nur gross war, weil alles gratis abgegeben wurde.

 


14.08.1998 © Appenzeller Tagblatt


Immer mehr Drittklässler an der Sek

Elterninformationen zum Schulbeginn an der Sekundarschule in Appenzell

Am kommenden Montag, 17. August, beginnt die Sekundarschule Appenzell ihr neues Schuljahr, und zwar für die Zweit- und Drittklässler stundenplanmässig um 7.30 Uhr, also mit allen Pflicht- und Wahlfächern.

Alle neu eintretenden Erstklässler treffen am ersten Schultag erst auf 8.15 Uhr in der Sekundarschule ein. Sie besuchen ihre ersten beiden Schulstunden bei ihrem Klassenlehrer. Nach zehn Uhr gilt dann auch für die Erstklässler der Unterricht nach Stundenplan. Die Sekundarschule Appenzell zählt im folgenden Schuljahr 295 Schüler, genau gleich viele wie im Vorjahr. Die 131 Knaben und 164 Mädchen verteilen sich auf die drei Jahresklassen mit ihren 13 Parallelklassen wie folgt: 1. Klasse 106 Schüler (4 Parallelklassen); 2. Klasse 93 Schüler (4 Parallelklassen); 3. Klasse 96 Schüler (5 Parallelklassen).

Viele Drittklässler
Überraschend hoch ist dabei wie schon im Vorjahr vor allem die Zahl der Drittklässler, hatten doch in den vier vor 1997 liegenden Jahren stets nur zwischen 52 und 69 Schüler die dritten Klassen besucht. Zum ersten Mal in der Geschichte der Sekundarschule Appenzell ist es deshalb nötig geworden, die dritte Sekundarklasse fünffach zu führen. Dies ist aber auch die logische Fortsetzung aus den letzten beiden Schuljahren, waren doch 1996 nicht weniger als 119 Erstklässler in die Sekundarschule Appenzell eingetreten. Und wie man feststellen kann - der überwiegende Teil von ihnen besucht noch freiwillig die dritte Klasse an unserer Schule. Eugen Schnetzer hat seit letzten Oktober die Unterrichtsstunden des schwer verunfallten Kollegen Felix Büsser übernommen. Mit Ende des Schuljahres 1997/98 beendet er seine Unterrichtstätigkeit in Appenzell. Der Schulrat hat für das nächste Schuljahr an dieselbe Stelle Christoph Köpfli gewählt.

Die Lehrkräfte
An unserer Sekundarschule in Appenzell werden die Schüler in den Hauptfächern jeweils von zwei bis drei Lehrern unterrichtet. Im Schuljahr 1998/99 sind dies an unserer Schule die folgenden Lehrkräfte (kursiv bedeutet, dass der betreffende Lehrer die administrative Leitung der Klasse innehat; er ist «Klassenlehrer»):

Klassen und Stundenplan
Die Schüler-Einteilungen für die neuen ersten Klassen, die Stundenpläne und alle Einteilungen in die verschiedenen Wahlfachgruppen - sind im Schulhaus Hofwiese 1 angeschlagen. Dort können sie bis Freitag jeweils zwischen 9.00 und 18.30 Uhr eingesehen werden. Für Schülerinnen und Schüler, die während der Mittagspause nicht nach Hause gehen können, besteht die Gelegenheit zur Einnahme eines einfachen Mittagessens, und zwar vom ersten Schultag an. Für dieses Mittagessen muss man sich anmelden, und zwar für die erste Schulwoche bis Donnerstag 17 Uhr bei der Schulverwaltung Appenzell (788 18 88).

Probezeit - Elternkontakt
Alle Erstklässler haben an der Sekundarschule eine Probezeit zu bestehen. Sie dauert elf Wochen, also in diesem Jahr bis zum 13. November. Sie soll zeigen, ob ein Schüler den Anforderungen der neuen Schulstufe gewachsen ist. In dieser Probezeit herrscht der übliche Schulbetrieb mit der gleichen Aufgabenmenge und Arbeitsbelastung wie später während der ganzen weiteren Sekundarschulzeit. Die Probezeit hat bestanden, wer in Deutsch, Französisch, Mathematik und in den Realienfächern einen Durchschnitt von 4,0 erreicht. Der Schulbehörde und allen Lehrern liegt viel an einer guten Zusammenarbeit mit dem Elternhaus. Um einen ersten Kontakt zu knüpfen, werden im Laufe der ersten drei Wochen für die Eltern aller neuen Erstklässler Elternabende abgehalten. Die Eltern mögen sich sonst bei allfällig auftretenden Fragen an die Lehrer oder an den Vorsteher der Schule (Johann Manser, Unterrain 40) wenden.mj.

 


22.08.1998 © Appenzeller Tagblatt


Ausschlafen, wie schön - und was machen wir dann?

Mit Beginn des neuen Schuljahres am Montag wurde auch an Innerrhodens Schulen die Fünftagewoche eingeführt. Heute morgen können deshalb die Schulkinder des Kantons erstmals ausschlafen statt den Tornister zu packen. Und das tun sie auch ausgiebig an ihrem ersten schulfreien Samstag, wie eine kleine Umfrage in der Sekundarschule Appenzell ergab. Aber es wird nicht nur ausgeschlafen. Vor allem Sport gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen an diesem Wochenende. Und Freude bereitete bereits zum vorneherein die Aussicht, ohne schlimme Folgen gestern Freitag bis länger in die Nacht hinein auf den Putz gehaut haben zu können.

Alles etwas früher
Sie sind erst knapp eine Woche in diesem neuen Umfeld, die Erstsekschulkinder von Paul Jud. Entsprechend brav beantworten sie am Donnerstag morgen auch die Frage des Journalisten, was sie denn an diesem ersten freien Samstag zu tun gedenken. 21 von 27 wollen sicher ausschlafen. Und dann geht es, schönes Wetter vorausgesetzt, in die Badi, erklären Anita und Irene stellvertretend für etliche andere. Vieles wird einfach vorverlegt, weil jetzt der Morgen auch frei ist. Markus zum Beispiel will velofahren, schwimmen und joggen, alles früher und ein bisschen mehr als an bisherigen Schulsamstagen. So geht auch Barbara bereits am Morgen in die Reitstunde statt erst am Nachmittag. Das gleiche gilt für den Lehrer: Er kann etwas früher mit seinem Gleitschirm auf Flugtour. Florian will mit dem Aikido-Club an einem Velolager teilnehmen, etwas, das er nicht tun könnte, wenn noch wie in (zum Glück) vergangenen Zeiten bis am Mittag Schule wäre. Oder höchstens mit einer Sondererlaubnis. Elias nutzt die neue Freiheit vermutlich, indem er mit Vater und zwei Brüdern klettern gehen kann. Gut eingelebt haben sich bereits die Zweitklässler von Luzius Gruber. Spontan und lebhaft erzählen sie, was sie an ihrem freien Samstag zu tun gedenken. Marc hat schon um 11 einen Fussball-Match. Erika geht am Morgen einkaufen. Patrick hat sein Leichtathletik-Training auf den Vormittag angesetzt. Der Autoausflug mit der Familie beginnt auch für Jasmin etwas früher als gewohnt. Ali geht mit Kollegen nach St.Gallen, Heidi mit der Schwester nach Zürich. Das hätte man sonst auch getan, aber eben alles etwas später. Auch hier spricht Carmen aus, was einige denken: Am Freitag kann ich später ins Bett, wenn am Morgen der Wecker nicht klingelt. Ausschlafen wollen 19 von den 23 Zweitklässlern. Anders Stefan und Adrian. Bereits am Freitag gehen sie «z Bäg». Sie wollen das Wochenende «i Gate» auf der Ebenalp verbringen. Und Alain geht am Samstag mit Kollegen campieren. Konrad hingegen verreist mit der Familie: Am Freitag abend geht's ab ins Tessin.

Im Kollegenkreis
Die 13 Drittsekler, die gerade bei Lehrer Thomy Rüegg eine Informatikstunde absolvieren, haben für Samstag noch nicht allzu viel geplant. Marco geht nach St.Gallen, Gisela hilft zu Hause auf dem Bauernhof, Patricia verbringt die Zeit mit Rollskating, Rahel ganz allgemein mit Sport. Und Roman ist als Schütze Mitglied von Infanterie Kronberg und will an einem Schiessen in Haslen teilnehmen. All das täten sie eigentlich auch ohne die neue Fünftagewoche. Für zehn von ihnen gilt am Samstag vor allem: Ausschlafen! Und damit man auch wirklich schlafen kann, will man den Freitag abend, RambaZamba, nutzen. Ein einziger Schüler hat etwas auf dem Programm, das er nur an einem schulfreien Samstag (oder früher nur mit Sonderbewilligung) tun kann: Wendelin geht bereits am Freitag mit seinem Klub nach Deutschland zu einem Seilzieh-Wettkampf. In dieser Klasse ist noch ausgeprägter, was auch für die vorangegangenen tendenziell galt: Die meisten werden das Wochenende mit Kollegen oder Kolleginnen verbringen, nur vereinzelte unternehmen im Familienkreis etwas.

Hund, Velo, Wandern
Wieder ein etwas anderes Bild bietet sich bei den 13 Mädchen aus den verschiedenen 3. Klassen, die bei Lehrer Guido Wettstein eine Doppelstunde lang modellieren: die meisten wissen recht gut, was sie tun wollen. Arianne geht mit dem Hund zu einer Military nach Wil, und zwar bereits am morgen um 8 Uhr, Stefanie ist offensichtlich im gleichen Aikido-Klub wie Florian aus der ersten Klasse und will auch an der Velotour Richtung Bodensee mitmachen. Monika geht um 12 Uhr an einen Velo-Wettkampf nach Sevelen, Seraina nimmt an einer Jugereise teil und leitet dort eine Gruppe, Nicole erwartet einen Kollegen aus Holland und will mit ihm auf den Säntis wandern. Sara, Lucia, Sandra, Rebekka, Gaby und Patricia haben sich noch nicht so festgelegt: baden, Kino, ausschlafen, Sport. Genau weiss hingegen der Lehrer, was er macht: «Ich gehe praktisch im- mer z Berg mit der Familie. Das habe ich schon letztes Jahr so gemacht. Ich habe nämlich den Stundenplan so eingerichtet, dass ich bereits damals einen schulfreien Samstag hatte.»

Toni Dörig


24.12.1998 © Appenzeller Volksfreund


Sekundarschüler auf Berufserkundung

Einen Berufserkundungstag führte die zweite Klasse der Sekundarschule Appenzell durch. Jede Schülerin und jeder Schüler hatte einen Betrieb zu suchen, der ihm die Gelegenheit zum Schnuppern gab. Über die Berufsbilder und die gemachten Erfahrungen wurde danach in der Schule informiert.

(wa) Jede Schülerin und jeder Schüler suchte nach eigenem Interesse selbständig einen Betrieb für einen Schnuppertag. Als Zielsetzung war gegeben: Die Tätigkeiten auszumachen, die einen Beruf im wesentlichen ausmachen; sich zu orientieren über die Bechaffenheit der Arbeitsplätze und die Anforderungen betreffend Vorbildung; ferner aufzulisten was die Ausbildung sowie die Entlöhnung während der Lehrzeit und danach betrifft; und schliesslich auch aufzuzeigen, wo die Sonnen- und Schattenseiten eines Berufes liegen, wie die Berufsaussichten im Moment und in Zukunft zu beurteilen sind.

Sich aufdrängendes Thema
"Was möchtst du später einmal werden? Bewegt es dich nicht, dass zur Zeit die Lehrstellen für viele Berufe knapp sind? Solche Fragen stellten wir uns Sekundarschüler seit längerer Zeit. Deshalb befassten wir uns mit dem Thema Berufsbildung und Berufsauswahl." So schreibt Maurus Broger zum informativen Schnuppertag, den er im Spital in Appenzell verbrachte und der ihm Einblick gewährte in den pflegerischen Beruf.
Von einer "Gelegenheit, um die Erwachsenenwelt etwas zu erforschen", schreibt Nicola Fässler. Sie verschaffte sich einen Schnuppertag in einem Reisebüro.

Einblick in die Berufswelt
Ursina Schmid und Nicole Manser nahmen Einblick in den Betrieb des Hotels Hof Weissbad. "Ich durfte an der Réception als kaufmännische Angestellte arbeiten. An so einem Schnuppertag darf man, in meinem Falle, alles das machen, was eine Angestellte machen muss; z. B. Post verteilen, die Korrespondenz erledigen, Prospekte verschicken, manchmal sogar Gäste betreuen und noch vieles mehr. Es war ein sehr lehrreicher Tag und es hatte mir auch sehr gut gefallen", schreibt Nicole Manser. Und von einem guten "Einblick in die Berufswelt" berichtet ebenfalls Ursina Schmid: "Man darf zum Beispiel vom ersten Moment an auch Gäste bedienen. Das zeigt, dass die Angestellten grosses Vertrauen in die Schnupperlehrlinge haben. Denn dort, wo sie kein Vertrauen haben, kann man einfach den ganzen Tag putzen."

Spontane Kinder
Antonia Albisser hat den Wunsch, einmal mit Kindern zusammen zu arbeiten und so verbrachte sie ihren Schnuppertag im Kindergarten Meistersrüte. "Ich durfte mit den Kindergärtlern kochen, basteln, zeichnen, ihnen den 'Zvieri' zuschneiden und noch vieles mehr. Es ist mir aufgefallen, dass die Kinder sehr spontan antworten, zum Teil waren sie auch ziemlich direkt", schildert sie ihre Eindrücke.
Einen Tag in der Apotheke Wild verbrachte Theresia Dörig und Ueli Fässler schnupperte als Bahnbetriebsdisponent im St. Galler AB-Bahnhof. Da blieb als besonderer Eindruck, dass er "das Stellpult je länger je mehr selber bedienen" durfte.

Ein Stück Klarheit verschafft
Das Ziel des Schnuppertages war es, wie Nicola Fässler festhält, "uns allen den Weg und die Entscheidung fürs weitere Leben zu erleichtern und uns etwas indie Realitäten einzuweihen, was sehr gelungen ist." Zum Erfolg des Berufserkundungstages trug sicher bei, dass ein jedes über seine Schnupperag-Erlebnisse einen Aufsatz schreiben sowie einen Vortrag vor der Klasse halten musste. So konnte von den gewonnenen Einblicken eines jeden Einzelnen alle profitieren.
In allen Schnuppertagberichten dringt denn auch eine grosse Dankbarkeit durch. Maurus Broger hält fest: "Sicher bietet nicht jede Schule die Gelegenheit, so einen Tag zu verbringen. Ich bin der Meinung, dass man so etwas öfter durchführen sollte. Es ist lobenswert, dass sich die Lehrer Zeit nahmen, um einen Schnuppertag zu organisieren, die Leute von verschiedenen Unternehmen uns die Gelegenheit gaben, bei ihnen zu schnuppern. Ich möchte allen Lehrbetrieben und Lehrern herzlich danken, die diesen Tag ermöglicht hatten."

Schluss mit Achselzucken
"Was willst du später für einen Beruf ausüben? Wie oft wird jedem Jugendlichen diese Frage gestellt, wie oft wird sie mit einem Achselzucken beantworte," schreibt Ursina Schmid. Jetzt sollte zumindest für die zweite Sekundarklasse Schluss sein mit dem Achselzucken. Dies zeigen zumindest einige Schlussfolgerungen: "Dieses Projekt hat mir eigentlich sehr viel gebracht, denn ich weiss jetzt schon eher, in welcher Branche ich das KV machen will." - "Es hat mir Einblick und Erfahrungen gebracht und hat mir bestimmt einen kleinen Teil des Weges gezeigt, den ich einmal gehen werde." - "Jetzt fällt es mir auch leichter, mich in eine Richtung meines späteren Berufes zu entscheiden." - " Dieses Projekt hat mir ziemlich viel gebracht, ich weiss jetzt, in welche Richtung ich gehen will."