28.01.1999 © Appenzeller Tagblatt


Englisch in Innerrhoden

Ab Schuljahr 1999/2000 wird in Appenzell Innerrhoden an der Sekundarschule Englisch gestaffelt als Obligatorium eingeführt.

Aufgrund der steigenden Bedeutung von Englisch als weltweites Kommunikationsmittel in Bildung, Wirtschaft und Freizeit hat die Landesschulkommission von Appenzell Innerrhoden alle Schulräte und die Lehrerschaft aufgefordert, sich zur Einführung des verstärkten Englisch-Unterrichts zu äussern. Angesichts der positiven Stellungnahme der Schulräte und der Mehrheit der Lehrerschaft hat die Landesschulkommission nun folgendes beschlossen:
- Ab dem Schuljahr 1999/2000 wird in der Sekundarschule das Obligatorium für Englisch gestaffelt eingeführt (1999 in der 2. Sek; 2000 in der 1.,2. und 3. Sek).
- An den Realschulen wird Englisch weiter als Wahlfach angeboten.
- Ab 2001 wird auf der Primarschulstufe ein Schulversuch mit Englisch-Unterricht durchgeführt. Zur Detailvorbereitung wird eine Projektgruppe eingesetzt werden.
- Ab sofort werden die Lehrkräfte der Primarschulstufe für diese Aufgabe vorbereitet mit verschiedenen Kursen.lsk.


06.1999 © Volksfreund


Geschichten, spannend erzählt

Lesung des Jugendbuchautors Werner J. Egli

Sandra Hörler

Der Schweizer Jugendbuchautor Werner J. Egli las bei den Appenzeller Drittsekschülern aus seinen Werken vor. Den folgenden Bericht hat die Schülerin Sandra Hörler verfasst.

Dank der guten Zusammenarbeit zwischen dem Bücherladen Forster & Schwendimann und der Sekundarschule Appenzell fand im Foyer des Sekundarschulhauses Hofwiese 1 in Appenzell eine Lesung des Jugenbuchautors Werner J. Egli statt. Egli wurde 1943 in Luzern geboren und lebt jetzt als Schriftsteller in Tuscon (USA) und in Freudenstadt (D). Er ist ein aufgestellter, humorvoller Mensch, der sehr gut mit Jugendlichen umgehen kann und sie versteht. Das merkte man bei seiner Lesung besonders gut. Die Schüler interessierten sich sehr und die zwei Stunden verfolgen im Nu. Es war sehr spannend, wie er seine Geschichten erzählte.

Ernst und lustig
Werner J. Egli stellte unter anderem sein neues Buch "Tunnelkids" vor. In seinem Buch geht es um Menschen jeden Alters, die illegal von Mexiko über die Grenze in die USA wollen und in Abwassersystemen leben. Ein Junge namens Santjago will nach der Ermordung seines Vaters ebenfalls in die USA flüchten, wird aber von den Tunnelkids in den Abwasserkanälen festgehalten, wie alle anderen Menschen dort auch. Ausserdem erzählte Werner J. Egli aus seinem etwas älteren Buch "Heul doch den Mond an". Es ist eine humorvolle Geschichte von einem jungen, europäischen Pärchen, das mit einem roten VW-Bus von Alaska bis nach Mexiko reist und viele abenteuerliche Dinge erlebte.

Sollte Musiker werden
Im Anschluss an die Lesung konnten die Schüler Fragen stellen. Man interessierte sich für sein erstes Buch, das er veröffentlicht hatte. Seine Mutter, die Geige spielte, wollte eigentlich, dass er ebenfalls Musiker werde, doch, als sie von Eglis Lehrer erfuhr, dass er sehr gute Aufsätze schreibe, kaufte sie ihrem Sohn eine Schreibmaschine. So fing er an zu schreiben und jetzt ist er ein berühmter Autor. Sein Buch "Heul doch den Mond an" wurde in zwölf Sprachen herausgegeben.

Viel über sich erzählt
Die Lesung mit Werner J. Egli war kein gewöhnliches Vorlesen. Er gestaltete sie aufregend, spannend und interessant. Sie war abwechslungsreich, mit einer Einleitung, in der er viel über sich selber gesprochen hat. Egli erzählte sehr lustig und konnte die Schüler zum Lachen bringen. Am Schluss verteilte er noch Autogrammkarten. Man konnte auch Bücher kaufen.

Begegnungen mit Menschen
Die Lesung war aber auch ein Erfolg für ein laufendes Projekt der Sekundarklassen 3b, 3d und 3e. Das Projekt wird seit Ende Frühlingsferien unter Anleitung von Hans Jürg Etter und Luzius Gruber durchgeführt. Es geht um Begegnungen mit Menschen, von denen die Schüler Erfahrungen sammeln und denen sie Fragen stellen können. Das Projekt wird noch bis Ende Schuljahr fortgesetzt.
 


02.07.1999 © Appenzeller Tagblatt


Die Welt in die Schulstube bringen

Dritte Klassen der Sekundarschule Appenzell - Projekt «Kontakte schaffen - Horizonte erweitern - Schule öffnen»

Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir, heisst es so schön. Aber wie? Lebenskunde als Unterrichtsfach? In drei dritten Klassen der Sekundarschule Appenzell wird mit dem Projekt «Kontakte schaffen - Horizonte erweitern - Schule öffnen» versucht, etwas Welt in die Schulstube zu bringen. Und zwar, indem interessante Gäste eingeladen werden.

Hans Jürg Etter

Für die einen geht's nach dem Sommer weiter mit Schule, für andere mit einer Lehre. Die Entlassung aus der Schule bedeutet für die meisten Jugendlichen, dass ein völlig neuer Lebensabschnitt beginnt. Grund genug, prinzipielle Überlegungen anzustellen. Die Schule selbst hält dafür das Fach «Lebenskunde» bereit. Eine weitere verstaubte «Kunde» also nebst Erd-, Natur-und Heimatkunde, mit der Schülerinnen und Schüler im Laufe ihrer Schulzeit beglückt werden? Die Frage, wie das Fach «Lebenskunde» interpretiert und unterrichtet werden soll, weiss niemand so recht zu beantworten. Bis zur offiziellen Deklaration als Fach schwangen seine Inhalte versteckt im Deutschunterricht und in anderen Fächern mit.

Vakuum der Werte
«Lebenskunde» ein Fach, das sich schlecht mit vorfabrizierten Arbeitsblättern bewältigen lässt! Die ursprüngliche Absicht ist auch, die Defizite aufzuarbeiten, die der nicht ganz freiwillige Rückzug der Kirche und der allgemeine Wertezerfall schaffen. Die Kirchen leisteten und leisten eine engagierte Jugendarbeit, doch das Publikum ist klein geworden, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass moderne Lehrpläne Religion bestenfalls als Wahlfach vorsehen, was dazu führt, dass es von älteren Schülerinnen und Schülern kaum noch besucht wird. Es gibt heute keine gesellschaftliche Institution mehr, die ethische Werte so an Jugendliche herantragen und vermitteln kann, dass erstens viele erreicht werden und dass sie's - zweitens - auch glauben. Im geisten Nebel der Jahrtausendwende lässt sich nirgends eine verbindliche Werthaltung ausmachen. Wen wundert's, dass der Zulauf bei spinnerten Seelenfängern (und Fängerinnen) gross ist und deren Kasse unentwegt klingelt und dass die geistigen Defizite durch eine Haltung kompensiert werden, die sich durch die Bereitschaft charakterisiert, undifferenziert zu konsumieren und sich jeden Mist «reinzuziehen» und für wahr und wirklich zu halten, den die Winkeljournalisten der Fernsehanstalten täglich aufbereiten. Die Schulen können sich aus der Affäre ziehen, indem sie sich auf ihren Stoffvermittlungsauftrag berufen. Die Schulen sind vor diesem Hintergrund allerdings gefordert, ihren Zöglingen eine effiziente Lebenshilfe, eine transparente ethische Haltung und wirksame Problemlösungsstrategien mitzugeben. Schulabgängerinnen und Schulabgänger müssen über ein Wissen und eine Haltung verfügen, die ihnen die Orientierung in einer schwierigen Welt ermöglicht. Sie müssen in der Lage sein, eine flexible Lebenshaltung einzunehmen, die dem sich mehr und mehr aus der Welt verlierenden «gesunden Menschenverstand» verpflichtet ist.

Mit wem möchte ich reden?
«Warum also nicht etwas Wasser in den Ozean giessen?» sagten sich die Lehrerinnen und Lehrer der drei dritten Sekundarklassen aus Appenzell. Eine Projektidee wurde geboren. Sie liessen die Schüler Sätze des Typs «Ich möchte mit XY (Person) über Z (Sache) reden» generieren, um so die bei Schülerinnen und Schülern bestehende Informationsbedürfnisse zu klären. Die drei Klassen brachten denn auch gegen hundert Sätze nach diesem Muster zusammen. Abstruses war da selbstverständlich dabei: «Ich möchte mit einem von Ausserirdischen Entführten über seine Reise reden.» Auch die Namen von selbsternannten Prophetinnen und Propheten wurden genannt, die die Welt dem Untergang nahe wähnen und aus der allgemeinen, von bestimmten Medien geschürten Weltuntergangshysterie kräftig Kapital zu schlagen wissen. Tolle Ansätze also, um mit dem Aufräumen des allgemeinen geistigen Chaos zu beginnen.

Es gibt ja mehr als Sport
Schülerinnen und Schüler erhielten dann die Aufgabe, für die entstandenen Sätze Oberbegriffe zu suchen bzw. sie in etwa zehn «Kategorien» einzuteilen. Die Fülle der Ideen ordnete sich so gleichsam von selbst. Das führte zu einer Kette von Aha-Erlebnissen: «Neben Sport gibt's zum Beispiel noch Kultur. Ja, was ist denn das? Neben Fussbällen gibt's noch Ärzte und Schwerkranke. Wie leben die mit dem Tod in sich?» Die Randgruppen der Gesellschaft rückten in den Blick. Jugendliche verfügen meist über ein ausgesprochen gutes Gefühl für soziale Gerechtigkeit, das ihnen später, wenn sie anfangen, sich an den Erwachsenen zu orientieren, oft abhanden kommt. Eine gute Chance für Erziehungsarbeit, wenn es gelingt, im rechten Moment einzusetzen. In einem zweiten Schritt waren dann die Wahlpartner anzuschreiben. Es galt, den allfälligen Gästen die Projektidee zu vermitteln und sie seriös über das Vorhaben zu informieren, eine anspruchsvolle und echte Deutschaufgabe, die auch gleich selbst für ein entsprechende Feedback der Angeschrieben sorgte, für ein überzeugtes Ja oder dann, im Falle von Pfusch, halt für ein Nein. Schülerinnen und Schüler erfuhren jedenfalls, dass der unsorgfältige Umgang mit Sprache sich nicht ungern rächt.

Erwachsenen-Ausreden
In dieser Phase hatten Schülerinnen und Schüler sich intensiv mit Erwachsenen und ihren Eigenheiten auseinanderzusetzen: Manche wollten genau wissen, worauf sie sich einliessen und stellten Nachforderungen in bezug auf Information, andere sagten begeistert zu, sahen eine Chance, Jugendliche direkt anzusprechen. Typische «Erwachsen-Ausreden» gingen ein: «Keine Zeit, mich mit Kindern abzugeben, Hilfe, mein Terminkalender ist voll» und dergleichen mehr.

Psychiater, Autoren usw.
Interessant der Umstand, dass Erwachsene, die nachweislich keine Zeit haben, vor allem in verantwortungsvollen Berufen selbständig Tätige, Zeit finden, in die Schule zu kommen. Immerhin gelang es den Schülern, eine behinderte Sportlerin, zwei Fussballspieler, ein Profi-Handballer, einen Jugendbuchautor, zwei Ärzte, einen Psychiater, eine Pflegeassistentin, einen Jugendsekretär, einen Anlageberater und einen Anwalt, dem sie prompt vorrechneten, dass er schon längst ein mehrfacher Millionär sein müsste, aufzutreiben. Jetzt laufen die Gespräche, und der Projekt-Ansatz macht eindrücklich deutlich, dass auch der moderne Jugendliche durchaus bereit ist, mit Erwachsenen, die er für kompetent hält, deren Erfahrungshorizont abzuschreiten und dabei sehr aufmerksam aufzunehmen, zuzuhören und ungezwungen zu lernen.

Gegen das Abschotten
Klar auch, dass gerade in bezug auf die «Lebenskunde» die Schulen, die immer wieder die Tendenz haben, sich abzuschotten, sich öffnen müssen, dass «Lebenskunde» eben nur mit dem Leben zu tun hat, wenn sich ein Bezug nachweisen lässt. Dass sich die Institution «Schule» damit schwer tut, liegt auf der Hand, weil vermutlich ein erschreckend hoher Prozentsatz der allgemeinen und der fachspezifischen Lehrplaninhalte weder einer Prüfung an der Lebenswirklichkeit noch einer Effizienzprüfung standhalten würde. Schulpolitiker wagen es nicht, die zum Teil im 19. Jahrhundert ausgesäten und noch heute ungehemmt in den pädagogischen Vorliebe-Schrebergärtchen wuchernden Sumpfblütenpflänzchen endlich auszureissen, denn damit würden sie seit langem etablierte Privilegien antasten und sich viel Ärger einhandeln.


12.08.1999 © Appenzell Tagblatt


Start ins neue Schuljahr

Die Sekundarschule Appenzell zum Schulanfang

Der kommende Montag, 16. August, ist auch für alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Appenzell der Starttag zu ihrem neuen Schuljahr.

In allen 13 Klassen beginnt der Unterricht an diesem ersten Tag um 8.20 Uhr. Die Lektionen bis zur Vormittagspause finden beim jeweiligen Klassenlehrer statt; ab zehn Uhr wird dann in allen Klassen nach Stundenplan unterrichtet.

Lehrkräfte und Schulklassen
Die Sekundarschule Appenzell zählt im kommenden Schuljahr 294 Schüler, gleich viele wie 1998 und wie 1997. Die 134 Knaben und 160 Mädchen verteilen sich auf die drei Jahresklassen mit ihren 13 Parallelklassen wie folgt: 1. Klasse 112 Schüler, 5 Parallelklassen; 2. Klasse 103 Schüler, 4 Parallelklassen; 3. Klasse 79 Schüler, 4 Parallelklassen. An der Sekundarschule in Appenzell werden die Schüler in den Hauptfächern jeweils von zwei bis drei Lehrern unterrichtet. Im Schuljahr 1999/2000 sind dies an der Sek in Appenzell die folgenden Lehrkräfte: Klasse: 1 a Luzius Gruber, Edwin Koch; 1 b Thomas Knechtle, Martin Jütz; 1 c Joe Manser, Paul Jud; l d Hans Jürg Etter, Linus Köppel; l e Hans Jürg Etter, Martina Bertsch; 2 a Emil Hehli, Linus Köppel; 2 b Ludwig Karrer / Emil Hehli, Christoph Köpfli; 2 c Ludwig Karrer, Paul Jud; 2 d Joe Manser, Christoph Köpfli; 3 a Christoph Kühne, Andreas Bont; 3 b Luzius Gruber, Andreas Bont; 3 c Bruno Gregorin, Paul Jud; 3 d Thomas Knechtle, Edwin Koch.

Einteilung und Stundenplan
Die Schüler-Einteilungen für die neuen ersten Klassen, die Stundenpläne und alle Einteilungen in die verschiedenen Wahlfachgruppen sind seit gestern Mittwoch, 11. August, im Schulhaus Hofwiese 1 angeschlagen. Dort können sie bis Freitag jeweils von 9.00 bis 18.00 Uhr eingesehen werden.

Mittagessen im Gymnasium
Für Schülerinnen und Schüler, die während der Mittagspause nicht nach Hause gehen können, besteht die Gelegenheit zur Einnahme eines Mittagessens im benachbarten Gymnasium St.Antonius, und zwar schon vom ersten Schultag an. Für dieses Mittagessen muss man sich aber im voraus anmelden, und zwar für die erste Schulwoche bis heute Donnerstag 17.00 Uhr bei der Schulverwaltung Appenzell (Tel. 788 18 88).

Probezeit der Erstklässler
Alle neu eingetretenen Schüler haben an der Sekundarschule in Appenzell eine Probezeit zu bestehen. Sie dauert elf Wochen, also in diesem Jahr bis zum 12. November 1999. Sie soll zeigen, ob ein Schüler den Anforderungen der neuen Schulstufe gewachsen ist.

Schulbetrieb als Probezeit
In dieser Probezeit herrscht der übliche Schulbetrieb mit der gleichen Aufgabenmenge und Arbeitsbelastung wie später während der weiteren Sekundarschulzeit. Die Probezeit hat bestanden, wer in Deutsch, Französisch, Mathematik und in den Realienfächern einen Durchschnitt von 4,0 erreicht.

Information der Eltern
Der Schulbehörde und allen Lehrern liegt viel an einer guten Zusammenarbeit mit dem Elternhaus. Um einen ersten Kontakt zu knüpfen, werden im Laufe der ersten drei Wochen für die Eltern aller neuen Erstklässler Elternabende abgehalten. Nähere Informationen darüber erhalten die Schüler und ihre Eltern von ihrem Klassenlehrer.

Kontaktpersonen
Die Eltern mögen sich aber auch sonst bei allfällig auftretenden Fragen oder Schwierigkeiten vertrauensvoll an die jeweiligen Lehrer oder aber an den Vorsteher der Schule (Johann Manser, Unterrainstrasse 40, 9050 Appenzell) wenden.


13.11.1999 © Volksfreund


Von Kindern lernen - Erfahrungen fürs Leben
Sekundarschüler unterrichten Kindergärtler - dieses ehrgeizige Ziel verfolgte vergangene Woche die Klasse 3b der Sekundarschule Appenzell. Schülerinnen und Schüler berichten von ihren Erlebnissen und Erfahrungen.

Eine Woche vor dem Projekttag notierten wir unsere Gedanken und Anregungen auf Zetteln. Da die Kindergärtler schon bald in die erste Klasse eintreten werden, haben wir uns für das Thema „Schule“ entschieden. Wir diskutierten über Ideen und beschlossen, das Projekt in sieben bis acht Gruppen zu unterteilen. Die Posten beinhalten alles vom Tastspiel, über Zeichnen, Memory bis zur Hexensuche.

Am zweiten Dienstagnachmittag fand die Durchführung des Projekts statt. Wir gingen in den Kindergarten Hofwiese. Frau Kobelt und Frau Inauen erwarteten uns bereits. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, kamen die Kindergärtler. Zwei alte Hexen, die in einer kleinen Hütte in Waldburgis wohnen, erzählten von ihrem verhexten Leben und machten die Kinder neugierig auf das Leben einer Hexe. Die Kinder rätselten, ob diese zwei vernarrten Frauen wirklich auf einem Besen reiten können. Danach wurden die Kindergärtler in Gruppen geteilt und an verschiedene Posten geführt.

Vorstellungen von Schule
An einem Posten wollten wir erfahren, was sie bereits über die Schule wissen, und liessen sie ein Schulzimmer aus Legosteinen bauen. Es war nicht so schwierig wie angenommen ihnen zu erklären, was sie zu tun haben. Ohne lange zu fragen begannen sie mit bauen. Wir sahen, wie sie mit Begeisterung ihre Phantasie nutzten und zusammen mit ihrem Vorwissen entstand ihr eigenes Schulzimmer.
Wir unterstützten sie ein wenig beim Aufbauen des Zimmers. Die Kindergärtler setzten ihre Meinung durch und liessen sich von unseren Ideen kaum ablenken.
Wir fragten sie, welche Erwartungen sie an die Schule haben. Alle freuen sich sehr auf die Schule und wollten auch wissen, was sie dort erwartet. Die Kinder wissen schon sehr viel über die Schule. Auffallend war der Unterschied zwischen Kindern, die sehr kommunikationsfreudig sind und solche, die viel ruhiger und von denen wir viel weniger erfahren konnten. Wir erinnerten uns, wie wir im Kindergarten waren und was wir bereits vergessen haben. Einige Kindergärtler waren mehr im Mittelpunkt als andere, das konnte man spüren.

Gegenstände verloren
Eine zweite Gruppe entschloss sich, ein Bild mit versteckten Schulsachen zu zeichnen. Die Kinder sollten die verlorenen Gegenstände auffinden. Um die ganze Sache noch etwas spielerischer zu gestalten, erzählten wir die Geschichte von Guschti und Talppi. Die zwei hatten ihre Schulsachen auf dem Heimweg verloren. Die Aufgabe wurde schnell verstanden und einige begannen sofort eifrig zu suchen, während andere noch etwas unsicher umherschauten. Im Laufe des Nachmittags legte sich aber diese Schüchternheit ab. Es ist uns aufgefallen, dass der Wortschatz von Kind zu Kind sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Einige reagierten sehr schnell auf unsere gegebene Aufgabe. Daher mussten wir im sprachlichen Ausdruck nicht sonderlich viel verändern. Ein paar dieser Kindergärtler brauchten aber eine etwas längere Erklärung. Positiv fiel uns auf, dass Kinder in diesem Alter sich schon sehr gut auf eine gegebene Aufgabe konzentrieren können, obwohl es rundherum zum Teil unruhig war.

Sinne testen
Eine weitere Gruppe bereitete einen Posten zu den Sinnen vor. Die Schülerinnen und Schüler bedeckten den Tisch mit mitgebrachten Gegenständen und legten ein Tuch darüber. Zudem wurden Flaschen mit Salz- und Zuckerwasser aufgefüllt.
Die erste Gruppe Kindergärtler kam und setzte sich ein bisschen scheu an den Tisch. Die Schere, den Leim und weiteres Schulmaterial wurde sofort erkannt. Auch Farben waren für fast alle einfach zu erraten. Überraschenderweise probierten alle sofort auch die Getränke. Manche von ihnen verwechselten noch süss und sauer, aber ansonsten wurde auch diese Aufgabe sehr gut gelöst. Zusehends wurden sie lebendiger und machten mit grossem Interesse und Freude an den von uns gestellten Aufgaben mit.

Memory spielen
Gruppenweise spielten die Kinder Memory. War ein Paar gefunden, durften sie den Gegenstand in Natura aus dem Sack nehmen. Über die gefunden Kärtchen sprachen wir mit den Kindern. Sie erzählten uns von ihrem Leben und ihren Vorstellungen. Wir erfuhren vieles über ihre Träume und Wünsche. Sie denken ganz anders als wir. Uns kam die eigene Kindergartenzeit wieder in den Sinn. Es fiel uns leicht, die Kinder zu begeistern. Raphael erzählte über seine Katzen. Auch Nicole erzählte über ihre Katzen und dass eine sogar gestorben sei.

Bleibende Eindrücke
Der Nachmittag ging schnell vorbei und wir haben sehr viel im Umgang mit 6-jährigen gelernt. Die Kinder verbreiten eine positive Ausstrahlung, welche sich diesem Nachmittag auf uns Schüler übertrug. Die Zeit war eher zu knapp um alle Arbeiten zu erledigen und es war jeweils schwierig, sie von ihrem Spiel zu lösen und zum nächsten Posten zu schicken. Wir stellten fest, dass Unterrichten von Kindergärtlern schwerer und anstrengender ist, als wir es uns vorstellten. Wir sind nun in der 3. Sekundarklasse und kennen zwar die Regeln der Grammatik und Mathematik, jedoch nicht die Regeln des Lebens. Wenn wir die Kindergärtler beobachten wie sie denken und reden, dass sie nicht einmal bis 100 zählen können, erinnern wir uns zurück an unsere Kindheit, wie wir auch lernen mussten. Wir denken, wir seien erwachsen, haben bald die obligatorische Zeit der Schule abgelegt; aber wir haben noch nicht einmal 1/5 unseres Lebens hinter uns. Das sollte uns zum Nachdenken zwingen und uns wurde klar, dass man im Leben immer wieder etwas Neues lernen kann. Der Nachmittag war ein voller Erfolg, für uns und hoffentlich auch für die Kindergärtner. Wir finden, dass wir viel von den Kindern lernen können.

Klasse 3b